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Menschen, Stürme und die Schneise der Verwüstung

LEITARTIKEL Menschen, Stürme und die Schneise der Verwüstung

Anthropozän“ nennen manche Wissenschaftler unsere Gegenwart, weil der Mensch (griechisch anthropos) seit Beginn der industriellen Ära vor rund 200 Jahren so massiv ...

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Das muss uns nicht beunruhigen

Von Michael Wittler

Anthropozän“ nennen manche Wissenschaftler unsere Gegenwart, weil der Mensch (griechisch anthropos) seit Beginn der industriellen Ära vor rund 200 Jahren so massiv in die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde eingegriffen habe, dass die Auswirkungen noch in 100000 bis 300000 Jahren zu spüren sein könnten – so lange dauern erdgeschichtliche Epochen zumeist.

„Wir hätten Möglichkeiten, Motive und Mittel, unseren verschwenderischen Umgang mit schmutziger Energie zu mindern.

Ein übertriebener Gedanke? Für die Haltbarkeit des atomaren Endlagers, das in Deutschland jetzt, 50 Jahre nach Etablierung der Atomenergie, gesucht wird, veranschlagt man sogar eine Betriebsdauer von einer Million Jahren – und wie lange es dauert, unsere plastikvermüllten Meere zu reinigen, weiß niemand wirklich.

Angesichts der immer dramatischeren Bilder der Karibik-Superstürme, erst „Harvey“, jetzt „Irma“, früher „Kathrina“, später „José“, liegt die Frage nahe, ob sie zu diesem Anthropozän gehören, ob sie also Folgen eines menschengemachten Klimawandels sind. Viele Klimaforscher sehen das so. Denn während Tornados seit jeher zum karibischen Wettergeschehen gehören, sei ihre Heftigkeit und Niederschlagsstärke Folge eines kontinuierlichen Temperaturanstiegs, der erst die Energie für die Extrem-Stürme liefere.

Dass deren Folgen so desaströs ausfallen, dürfte wiederum mit an immer dichterer Besiedlung liegen, die auch vor solchen Gebieten nicht Halt macht, die bis eben noch als nicht für Menschen geeignet gemieden wurden – gerade zu erleben in Houston. Menschen denken oft lieber kurzfristig: „Wird schon irgendwie gutgehen“ geht vor „Und was, wenn nicht?“ Einerseits wird – wie von Trump – ständig Angst produziert, dass wir unsere gewohnte Lebensweise irgendwie einschränken müssten (die ja viele der Probleme auf unserem Globus eher schafft), andererseits eine weitsichtige Vorsorge-Politik ausgeblendet – sie könnte ja was kosten.

Lieber werden on- und offline immer schwerer zu ignorierende Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse angezweifelt – oft verstärkt durch Millionenspenden von konservativen Denkfabriken in den USA (die auch für Trumps Kampagne spendeten). Die wissenschaftliche Gemeinde hält trotzdem an ihren Warnungen fest. Und wir? Hängen zuweilen ratlos zwischen Interessengruppen und Forschergemeinde fest. Dabei könnte der Fall klar sein. Wir hätten (oder könnten haben) Möglichkeiten, Motive und Mittel, unseren verschwenderischen Umgang mit schmutziger Energie zu mindern. Unseren Lebensstil planvoll umweltverträglich zu dimmen, ohne an Lebensqualität zu verlieren. Ob das Tornados oder Monsun dämpft, wird man sehen. Stürmisch bekämpft aber würde ein solcher Wandel gewiss.

LN

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