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Merkel nutzt den Clooney-Effekt

Kommentar Merkel nutzt den Clooney-Effekt

Hollywood-Star George Clooney lobte die Flüchtlingspolitik der deutschen Kanzlerin. Die wird sich freuen, glaubt unser Redakteur Jörg Kallmeyer, hat sie doch im Moment viele unschöne Termine zu bewältigen. Doch sie manövriert sich sehr schlau durch die Krise.

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Es war ein schöner Termin — und das Kanzleramt hat auf allen Kanälen dafür gesorgt, dass die ganze Welt davon erfährt: Hollywood-Star George Clooney und seine Frau Amal waren gestern zu Gast bei Angela Merkel. Es gab ein dickes Lob für die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. Wer mag es ihr da verdenken, dass ein Schauspieler wie ein Staatsgast behandelt wird?

Merkels andere Termine jedenfalls sind weniger schön. Zweimal innerhalb weniger Wochen hat sie sich mit der türkischen Staatsspitze getroffen. Die Kanzlerin muss liefern, damit die Türkei Europa beim Flüchtlingszuzug entlastet. Gestern empfing Merkel die polnische Regierungschefin, die nicht nur beim Thema Asyl mauert. Heute steht Merkel in Magdeburg auf der Bühne, um einen Landtagswahlkampf zu eröffnen, der für ihre Partei unter einem schlechten Stern steht. Und Ende der Woche heißt es beim EU-Gipfel dann: Wer rettet Europa? Merkel halt — oder niemand.

Die Kanzlerin kennt sich aus mit Schicksalswochen. Sie hat sie in der Eurokrise durchlebt, und nun versucht sie auch die Flüchtlingskrise mit einer Energieleistung zu besiegen. Punkt für Punkt arbeitet sie ihre Agenda ab. Einsamer aber als vor noch ein paar Jahren, und daher auch mit weniger sichereren Erfolgsaussichten.

Aber was ist die Alternative? Laut „Obergrenze“ zu rufen ist es jedenfalls nicht. Es gibt, das hat sich herumgesprochen, nur eine europäische Lösung. Und die ist so komplex, wie Europa nun einmal ist. Es wird nicht den Tag X geben, an dem sich das Thema erledigt hat.

Und so wirken, je länger die Debatte dauert, die Kritiker der Kanzlerin nervöser als die Frau, die angeblich politisch schon am Ende ist. Horst Seehofer hat mit der Unrechtsdebatte überzogen. Er muss sich davor hüten, den Konflikt so weit auf die Spitze zu treiben, dass am Ende nur die Frage bleibt: Sie oder ich? Die Autoren der „Brandbriefe“ aus der Union sind still geworden, seit einmal in der Fraktion gefragt wurde: Wer soll es denn machen anstelle von Merkel?

Einer, der gern selbst Kanzler werden würde, hat große Probleme damit, eine schlüssige Haltung in der Flüchtlingsfrage zu finden. SPD-Chef Sigmar Gabriel verwirrt Freund und Feind beim Familiennachzug von jungen Flüchtlingen. Die Sorge vor dem Siegeszug der AfD bei den drei Landtagswahlen im März verunsichert die SPD inzwischen mehr als die CDU.

Wer die Akteure rund um Angela Merkel — international wie in Deutschland — genauer in den Blick nimmt, sieht schließlich die Kanzlerin selbst wieder in einem milderen Licht. Die Frage „Ist Merkel noch zu retten?“, die noch vor einigen Wochen gestellt wurde, scheint schon wieder ein Stück an den Rand gerückt zu sein.

Die Frage lautet heute eher: Bekommt Merkel die Zeit, die sie für die Bewältigung der Flüchtlingskrise braucht?

Ein Kommentar von Jörg Kallmeyer

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