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Mir san mir!

Der Wahlkampf von Seehofer und Merkel ist eher unpolitisch. Mir san mir!

Wie man Stimmungen in Stimmen umwandelt, zeigt der bayerische Löwe Horst Seehofer derzeit meisterhaft.

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Von Reinhard Zweigler

Wie man Stimmungen in Stimmen umwandelt, zeigt der bayerische Löwe Horst Seehofer derzeit meisterhaft. Der CSU-Chef probt den kontrollierten Aufstand gegen Berlin, nervt penetrant mit einer Pkw-Maut nur für Ausländer oder stellt eiskalt den föderalen Finanzausgleich der Länder zur Disposition. Seehofer verkauft Sprunghaftigkeit als politische Tugend, wechselt politische Positionen, wie es ihm gerade passt. Falsch, das tut er grade nicht. Seehofers politischer Kompass sind nicht nur Umfragewerte, sondern vor allem sein Bauchgefühl, was die Leute umtreiben könnte. Hat er erst einmal ein Thema erkannt, das sich lohnt, angepackt zu werden, wird es eingekreist und rasch populär-populistisch abgeräumt.

Eigentlich sind sich Angela Merkel und der bisweilen brüllende bayerische Löwe in dieser Hinsicht sehr ähnlich. Die Kanzlerin hat im Handumdrehen die Wehrpflicht abgeschafft oder die Kernenergie zum Auslaufmodell gestempelt. Auch für Lohnuntergrenzen, fast eine Art Mindestlohn, hat sie ein Ohr. Seehofer hatte kein Problem damit, die Studiengebühren im Freistaat zu kippen oder beim heftig umstrittenen Donauausbau den großen Natur- und Flussauenschützer zu geben. Böse Zungen mögen beiden Beliebigkeit und blanken Populismus vorwerfen, doch das greift zu kurz.

Mit dem Motto „Mir san mir“, oder Merkels hochdeutscher Variante „Gemeinsam erfolgreich“, knüpfen beide bewusst an gute Gefühle an. Beide machen eher unpolitischen Wahlkampf. Es geht um Stolz, Zuversicht, Tatkraft. Tiefergehende Debatten, ob Deutschland wirklich so gut für die Zukunft gewappnet ist, ob die Euro-Krise wirklich durch drakonisches Sparen gemeistert werden kann und ob unsere Sozialsysteme zukunftsfest sind, erscheinen da glatt als boshaftes Nörgeln der Opposition. Berlin und München sind sich auch insofern ähnlich, als an der Spree wie an der Isar zwar eloquente, aber ziemlich aussichtslose SPD-Herausforderer antreten. Und sollte Seehofer in einer Woche in Bayern die absolute Mehrheit zurückerobern, wäre das ein weiteres Signal dafür, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt. Egal, mit wem sie dann regieren müsste.

LN

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