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Mit leeren Händen

LEITARTIKEL Mit leeren Händen

Es hätte der Proteste gegen den AfD-Parteitag im Kölner Maritim-Hotel gar nicht bedurft. Die Partei kann sich alleine zerlegen.

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Von Jan Sternberg

Es hätte der Proteste gegen den AfD-Parteitag im Kölner Maritim-Hotel gar nicht bedurft. Die Partei kann sich alleine zerlegen. Oder zumindest ihre Vorsitzende Frauke Petry in die politische Bedeutungslosigkeit befördern. Die hatte hoch gepokert und den Einsatz zum Ende noch einmal erhöht: Sie verzichtete auf die Spitzenkandidatur. Nur in der Strategiefrage möge die Partei ihr gefälligst folgen.

„Petry hat gepokert, hat geblufft und steht jetzt mit leeren Händen da.

Petry sprach von „Realpolitik“ und „Fundamentalopposition“ und wollte damit primär ihre innerparteilichen Konkurrenten um Alexander Gauland, André Poggenburg und Björn Höcke kleinhalten. Sie wäre unangefochtene Vorsitzende gewesen, jedes Spitzenteam eines von ihren Gnaden. Und die Partei wäre auf einen im Auftreten sauberen, in der Sache aber knallhart nationalistischen Kurs gegangen und hätte versucht, salonfähig zu werden. Nun aber ist Petry im Maritim untergegangen. Sie hat gepokert, hat geblufft und steht jetzt mit leeren Händen da. Sie tritt nicht zurück, aber sie hat sich von ihrer Partei entfremdet. Die AfD wird am Sonntag ein Spitzenteam für die Bundestagswahl wählen, das auch die Partei von Petry emanzipiert. Petry selbst wird mehr Zeit für ihr demnächst zur Welt kommendes fünftes Kind haben und ihren Wahlkampf etwas stärker auf Sachsen beschränken. Die AfD bleibt auf absehbare Zeit eine Sammelbewegung von enttäuschten Konservativen, smarten Nationalisten und leicht verbrämten Rechtsextremen. Sie bleibt unberechenbar und damit gefährlicher und gefährdeter zugleich. Petrys von den Grünen entlehnte Begriffe lehnt die Partei ab. „Wir machen im Magdeburger Landtag jeden Tag Fundamentalopposition – und das ist Realpolitik“, sagt etwa Poggenburg.

Der Höcke-Freund aus Sachsen-Anhalt kann in Köln in einem Satz Höckes Rede kritisieren, in der dieser eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert hat und zugleich von einem „Schuldkult“

sprechen, den viele Deutsche ablehnen. Auch Poggenburg weiß, dass das ein Neonazi-Begriff ist. Aber es ist ihm egal. Der AfD nach Petry werden solche Dinge zunehmend egal sein. Das hilft der Partei, die rechten Wähler zu halten, die sie im Bundestag über die Fünf-Prozent-Hürde bringen werden. Es schadet ihr dabei, stärker bei den Bürgerlichen zu wildern, die lieber der smarten Petry gefolgt wären. Bis Alice Weidel, Petrys mutmaßliche Nachfolgerin als Galionsfigur, deren Profil erreicht, kann es dauern. Das Kieler Landeshaus könnte unerreichbar bleiben für die AfD. Auch wegen Petrys gescheitertem Pokerspiel.

LN

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