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Nokias Aufstieg und Fall

Finnen verkaufen ihre Handysparte. Das Ende einer Ära. Nokias Aufstieg und Fall

Das war‘s. Mit einem Knall verabschiedet sich Nokia aus einem Geschäftsfeld, in dem die Firma über viele Jahre Marktführer und das innovativste Unternehmen war.

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Von Andreas Heß

Das war‘s. Mit einem Knall verabschiedet sich Nokia aus einem Geschäftsfeld, in dem die Firma über viele Jahre Marktführer und das innovativste Unternehmen war. Nokia ohne Handys: Für viele Menschen gibt es die Firma seit gestern nicht mehr. Wobei das nicht stimmt: Der Aktienkurs des finnischen Konzerns schoss in die Höhe; die Anleger feiern den Ausstieg Nokias aus einem Markt, der der Firma zuletzt Milliarden-Verluste beschert hat. Es bleiben viele Patente, die weiterhin Geld bringen, und eine profitable Netzwerksparte.

Dennoch ist die jüngere Vergangenheit des fast 150 Jahre alten Konzerns eine Geschichte von „Aufstieg und Fall“. Von 1998 bis Anfang 2012 war Nokia der weltgrößte Hersteller von Mobiltelefonen.

Modelle wie das 6210 aus dem Jahr 2000 und der Nachfolger 6310i waren nicht nur begehrte und zuverlässige Begleiter, sie waren so etwas wie der Goldstandard in einer Branche, die vor Innovationen brummte. Über ein Jahrzehnt konnte niemand Nokia das Wasser reichen. Doch die weiße Weste des finnischen Unternehmens hatte — gerade in Deutschland — auch hässliche Flecken: Die Schließung des mit Millionen-Subventionen gebauten Bochumer Werks im Jahr 2008 — damals gingen mehr als 3000 Jobs verloren —, der Umzug von dort nach Rumänien, wo erneut mit EU-Subventionen ein Werk gebaut und nur drei Jahre später wieder geschlossen wurde, brachten Nokia den üblen Ruf einer Heuschrecke ein. Nicht zuletzt aufgrund des Imageverlusts brach nach 2008 der Verkauf von Nokia-Handys in Deutschland ein.

Viel schlimmer aber: Nokia hat die Entwicklung in seinem Kerngeschäft schlicht verpennt. Es gibt nur wenig vergleichbar dramatische Fehleinschätzungen in Weltkonzernen wie die Nokias, die Entwicklung von Smartphones zu vernachlässigen. Jetzt hat Nokia die Reißleine gezogen und sein einstiges Filetstück verkauft.

Ausgerechnet an Microsoft — eine Firma, die noch nicht taumelt, aber eben auf der Suche ist nach neuen Geschäftsfeldern. Denn auch der Software-Riese muss angesichts des immer mobileren Internets aufpassen, dass er nicht plötzlich Geschichte ist. Nokia — das ist für Microsoft Chance und Warnung zugleich.

LN

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