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Obergrenzen helfen wenig

Bares nur noch bis zu 5000 Euro — das würde Schaden anrichten. Obergrenzen helfen wenig

Knapp über 100 Euro, davon 5,90 Euro in Münzen — so viel Geld hat jeder Bundesbürger im Schnitt im Portemonnaie.

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Von Udo Harms

Knapp über 100 Euro, davon 5,90 Euro in Münzen — so viel Geld hat jeder Bundesbürger im Schnitt im Portemonnaie. Und wohl nur wenige haben schon einmal irgendetwas bar bezahlt, was mehr als 5000 Euro gekostet hat. Trotzdem hat das Plädoyer des Bundesfinanzministeriums für eine Obergrenze von 5000 Euro bei Bargeldzahlungen viel Empörung ausgelöst. Jetzt wurde auch noch bekannt, dass die Europäische Zentralbank möglicherweise keine 500-Euro-Scheine mehr ausliefern will. Die haben vermutlich auch viele Menschen noch nie in der Hand gehabt. Trotzdem fügen sich die Nachrichten scheinbar zusammen: Soll da etwa die Abschaffung des Bargeldes eingeleitet werden?

Dieser Verdacht erklärt die heftigen Reaktionen vor allem von Datenschützern. Sie weisen zu Recht darauf hin, dass bargeldloses Zahlen noch mehr Daten produziert, die die Überwachung des Bürgers erleichtern. Aber selbst wer sich nicht vor Big Brother fürchtet, könnte sich sorgen, dass Informationen über Geldtransfers zum Beispiel von Hackern gestohlen werden.

Gute Argumente. Doch darum geht es gar nicht. Das Finanzministerium erklärt, man wolle Finanzströme von Terroristen austrocknen. Und Geldwäsche erschweren, weil die in Deutschland ein Volumen von jährlich 100 Milliarden Euro erreicht habe. Ein lohnendes Ziel. Aber wieder würde damit im Namen der Terrorbekämpfung in die Freiheitsrechte mündiger Bürger eingegriffen. Allerdings muss man gar nicht so grundsätzlich empört reagieren. Denn der Nutzen von Obergrenzen ist ohnehin fraglich: Welcher Kriminelle lehnt ein dickes Bündel Scheine ab, weil so viel Bares in Deutschland leider verboten ist? Welcher Waffenhändler schüttelt bedauernd den Kopf, welcher Immobilienbesitzer weist den Geldkoffer zurück? Und: In anderen Ländern gibt es schon lange Obergrenzen — in Italien zum Beispiel —, den Terror oder die Mafia haben sie nicht gestoppt.

Auf der anderen Seite kann der praktische Schaden groß sein: Wer einen Gebrauchtwagen an Privatleute verkauft, hätte natürlich gern sein Geld in der Hand, wenn das Auto vom Hof rollt. Und der Käufer möchte den Wagen sicher auch sofort in Besitz nehmen, weshalb er im Zweifel gerne cash bezahlt. Es soll auch Touristen geben, die im Ausland selbst große Beträge lieber bar bezahlen, als sich auf komplizierte Überweisungen einzulassen.

Um sicherzustellen, dass normale und legale Transaktionen nicht beeinträchtigt werden, müsste eine Obergrenze viel höher angesetzt werden, etwa bei 50000 Euro. Selbst da bleibt der Nutzen zweifelhaft. Wirklich hilfreich wäre dagegen eine Untergrenze: Ein- und Zwei- Cent-Stücke sind teuer in der Herstellung und nerven an der Kasse. Sie sollten einfach abgeschafft werden — auch wenn man damit keine Terroristen fängt.

LN

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