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Olympia ist nicht glaubwürdig

Rio hat die Probleme der IOC-Spiele deutlich gemacht. Olympia ist nicht glaubwürdig

Die Flamme ist erloschen, die Olympischen Spiele von Rio de Janeiro sind Geschichte. Waren es die besten, die großartigsten Spiele? Nein. Das Fazit fällt zwiespältig aus.

Die Flamme ist erloschen, die Olympischen Spiele von Rio de Janeiro sind Geschichte. Waren es die besten, die großartigsten Spiele? Nein.

 

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Von unserem Olympia-Reporter Jens Kürbis

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Das Fazit fällt zwiespältig aus. Rio ist eine traumhaft schöne Stadt, die Cariocas, die Einwohner sind freundlich und hilfsbereit. Nur: Die Postkartenidylle konnte die Probleme nicht zudecken.

Unfertige Sportanlagen, ein Athletendorf als Baustelle, verseuchtes Wasser, ein Naturschutzgebiet, das sich als Golfplatz geriert. Und ein Gastgeber, der so klamm ist, dass das Geld für die Paralympics nicht reicht.

Sicher, das IOC konnte vor sieben Jahren all das nicht ahnen. Da war Brasilien ein prosperierendes Land mit dem zweitgrößten Wirtschaftswachstum nach China. Jetzt ist es ein Land im Krakengriff von Vetternwirtschaft und Korruption, zudem auf rasanter wirtschaftlicher Talfahrt. In einer Zeit, wo Lehrer und Verkäufer auf ihr Gehalt warten, die Stadt zahlungsunfähig ist, lässt sich den Bürgern von Rio de Janeiro das geldverschlingende Monstrum Olympia nur schwer vermitteln.

Die Folgen waren spür- und sehbar: halbleere Hallen, Stimmung nur, wenn „Brasil“ spielte, kämpfte oder rannte, eine in der Dimension nicht erlebte Militärpräsenz und ein unsägliches Organisations-Chaos. Dies alles mit Gambiarra, der brasilianischen Kunst des Improvisierens zu rechtfertigen, ist zu einfach.

Hinzu kommen noch die hausgemachten Probleme des Herrn der Ringe, Thomas Bach. Der Kommerz verdrängt immer mehr den olympischen Gedanken. Wer Golf und Tennis, den Sport der Millionäre, ins Programm hebt, die Stars dann aber unter fragwürdigen Gründen fernbleiben, weil es für sie ja bei Olympia nichts zu verdienen gibt, entwertet die Spiele. Wer Russland an den Doping-Pranger stellt und teilweise ausschließt, aber verschweigt, dass Brasilien drei Wochen vor den Spielen die Kontrollen einstellt, ist nicht glaubwürdig. Gar schizophren ist es, wenn eine Jelena Issinbajewa aufgrund russischen Staatsdopings von den Spielen ausgeschlossen ist, dann aber in die Athletenkommission gewählt wird. Und wenn ein IOC-Mitglied im Morgengrauen wegen illegaler Ticketverkäufe im Nobel-Hotel verhaftet wird, erinnert das sehr an Fifa & Co.

Sicher, Tokio 2020 werden andere Spiele – ohne organisatorische, strukturelle Probleme. Doch das reicht nicht. Noch lebt Olympia vom Zauber der Athleten, von ihrem Schweiß, ihren Tränen und Triumphen, von Bildern wie jenen aus dem 5000-Meter-Lauf, als sich zwei Gestürzte, die Neuseeländerin Hamblin und die Amerikanerin d’Agostino, gegenseitig hochhalfen. Sie leben auch vom hohen Unterhaltungswert für die zahlenden Zuschauer. Wer sie aber darauf reduziert, braucht sich nicht zu wundern, wenn sich die Jugend der Welt mehr und mehr abwendet. Berichte ab Seite 19

LN

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