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Pfingsten – der Geist der Gemeinschaft

LEITARTIKEL Pfingsten – der Geist der Gemeinschaft

Babylon“ – so heißt eines der weltweit bekanntesten Computerprogramme für Übersetzungen. Klar, der Name spielt auf die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel an.

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Von Bischöfin Kirsten Fehrs

Babylon“ – so heißt eines der weltweit bekanntesten Computerprogramme für Übersetzungen. Klar, der Name spielt auf die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel an. Aber ganz bibelfest waren die Entwickler wohl nicht. Sonst hätten sie das Programm „Pfingsten“ nennen müssen. Denn Babylon steht für Sprachverwirrung. Pfingsten dagegen bedeutet, dass die Menschen sich trotz unterschiedlicher Sprachen verstehen können.

„Es ist für jede

Gesellschaft unverzichtbar,

dass die Verständigung

mit und ohne Worte funktioniert.

So steht es in der Bibel: Die Menge der Jünger saß beisammen – ziemlich ratlos, wie es nach der Himmelfahrt ohne Jesus weitergehen sollte. Plötzlich erhob sich ein gewaltiges Brausen, und der Geist Gottes kam über sie. Einer verstand, was der andere sagte, obwohl jeder in seiner eigenen Muttersprache redete. „Ein wunderbares Wirken Gottes!“, sagten die einen. „Sie sind doch bloß besoffen“, spotteten andere. Doch der gute Geist, der Heilige Geist, er blieb über den Tag hinaus. So entstand die Kirche. Das ist es, was wir bis heute an Pfingsten feiern: den Geburtstag der Kirche Pfingsten ist ein wunderbares Fest der Einheit, und diese Einheit hat mit der Sprache zu tun. Ohne Verständigung kein Verständnis füreinander. Kaum ein Thema ist aktueller in einer Welt, die durch Einwanderung geprägt ist und immer stärker zusammenwächst. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, sagen die Experten. Darum ist es so wichtig, dass Flüchtlinge und Einwanderer schnell in Sprachkurse kommen. Ohne Deutschkenntnisse gibt es kaum die Chance auf Arbeit oder auf eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Und doch gibt es auch eine Verständigung, die der Sprache vorausgeht: der freundliche Blick, Aufstehen im Bus für einen alten Menschen oder eine schwangere Frau, ein Lächeln, ein gemeinsames Essen.

Es ist für jede Gesellschaft unverzichtbar, dass diese Verständigung mit und ohne Worte funktioniert. Genauso, wie auch gemeinsame Werte wichtig sind. Manche nennen das Leitkultur. Mir gefällt das Wort nicht besonders, weil es so starr und statisch ist. Ich finde eher, dass wir eine gemeinsame Vision brauchen, wie wir hier jetzt und in Zukunft leben wollen – eine Vision, die uns bewegt und begeistert wie damals die ersten Frauen und Männer, die Jesus nachfolgten.

Das Pfingstfest erinnert Christinnen und Christen, aber auch die Gesellschaft insgesamt daran, dass wir immer wieder einen neuen Aufbruch aus der Erstarrung wagen können. Babylon bedeutet Nichtverstehen, Trennung und Parallelgesellschaften. Pfingsten dagegen heißt Verständigung, Zusammenkommen und Geist der Gemeinschaft. Eine Bewegung, die uns vom Sofa hochscheucht und aus Zuschauern Mitgestalter macht.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Fest!

LN

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