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Pflichttests für Rentner am Steuer? Das wäre das falsche Signal

Kommentar Pflichttests für Rentner am Steuer? Das wäre das falsche Signal

Ein 84-Jähriger verwechselt am Sonnabend im badischen Bad Säckingen offenbar Gas und Bremse - und rast unkontrolliert in ein Eiscafé. Zwei Menschen sterben, 20 werden verletzt. Sollte es Pflichttests für Rentner geben? Unser Autor meint: Nein.

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Ein Kommentar von Dirk Schmaler.

Weitere ähnliche Fälle: In Müllheim bei Freiburg verwechselt ein 72-Jähriger nur zwei Stunden später offenbar ebenfalls die Pedale. Das Fahrzeug stürzt von einem Parkdeck fünf Meter in die Tiefe. In Dortmund verliert etwa zur gleichen Zeit ein 79-Jähriger auf einem Parkplatz die Kontrolle und fährt mit Vollgas in zwei parkende Autos. Mehrere Menschen werden verletzt.

Erst vor drei Monaten hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sich gegen Pflichttests für Senioren am Steuer ausgesprochen. Nach diesem Wochenende ist die Debatte wieder da. Die Frage drängt sich auf: Warum dürfen 16-Jährige noch keinen Führerschein machen, während 84-jährige Führerscheinbesitzer ohne besondere nachträgliche Prüfung über Autobahnen und Parkplätze rasen dürfen?

Viele Verkehrsexperten fordern Fahrverbote oder, wie die Grünen, zumindest regelmäßige Fahreignungstests für Senioren ab 75.

Die Reaktionsfähigkeit nimmt im Alter ab, ebenso wie Seh- und Hörvermögen. Beim Autofahren kann das über Leben und Tod entscheiden. Senioren am Steuer tragen deshalb eine besondere Verantwortung. Sie müssen ihre Fähigkeiten realistisch einschätzen — und sich eingestehen, wenn sie am Steuer überfordert sind. Das ist in der Praxis oft schwierig. Vor allem Hausärzte könnten helfen: Sie wissen, wie es um ihre Patienten steht, ihr Rat hat Gewicht. Auch kostenlose und freiwillige Fahrtests sind sinnvoll — und entsprechen Umfragen zufolge sogar dem Wunsch vieler älterer Autofahrer.

Mehr als eine einfühlsame Empfehlung kann dabei allerdings nicht herauskommen — und das ist auch gut so. Verpflichtende Tests oder gar der Führerscheinentzug für Senioren wären ein schwerwiegender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, der schon statistisch nicht begründbar ist. Rentner sind nicht die gefährlicheren Autofahrer — allen tragischen Einzelfällen zum Trotz. Obwohl mittlerweile 20 Prozent der Deutschen älter als 65 Jahre sind, liegt ihre Beteiligung an Unfällen mit Personenschaden bei nur 12,6 Prozent. Senioren machen Fehler, fallen aber sehr viel seltener wegen Raserei, riskanter Überholmanöver oder Alkoholfahrten auf als unter 30-Jährige. Jungen Fahrern fehlt es schließlich oft an Risikobewusstsein.

Viele Senioren, vor allem auf dem Land, sind auf das Auto angewiesen. Wer möchte, dass mehr Rentner im Zweifel das Auto stehen lassen, setzt mit Repressionsmaßnahmen auch deshalb falsche Signale.

Besser wäre es, den öffentlichen Personennahverkehr auszubauen und in dörfliche Infrastruktur zu investieren. Das macht die Straßen dauerhaft sicherer — und ermöglicht aktiven Senioren die Mobilität, auf die sie nicht verzichten sollen.

Ein Kommentar von Dirk Schmaler

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