Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Respekt vor Natur und Nutztieren

Die Pflichtabgabe auf Fleisch macht die Verbraucher souveräner. Respekt vor Natur und Nutztieren

Eine Pflichtabgabe auf Fleisch, Eier und Milch will der CDU-Landwirtschaftspolitiker Heiner Rickers einführen.

Eine Pflichtabgabe auf Fleisch, Eier und Milch will der CDU-Landwirtschaftspolitiker Heiner Rickers einführen. Zehn Prozent sollen auf den Kaufpreis aufgeschlagen werden und einen Topf füllen, aus dem Landwirte Geld für den Bau moderner Ställe bekommen. Sie sollen ihre Tiere artgerecht halten und quasi alles auf „Bio“ produzieren können. Beim aktuell niedrigen Preisniveau und dem Druck von Billig-Importen sei das sonst gerade für kleine und mittlere Betriebe schier unmöglich.

 

LN-Bild

Von Wolfram Hammer

Eine Pflichtabgabe: Da zuckt der Bundesbürger erst mal zusammen. Zumeist lässt sich der Staat solche Abgaben einfallen, wenn er mit seinen Aufgaben trotz sprudelnder Steuereinnahmen nicht mehr fertig wird. Die Maut-Debatte ist ein Beispiel dafür.

Bei der Tierwohl-Abgabe allerdings wäre es anders. Gerade sie würde den Verbrauchern wieder Souveränität zurückgeben, so paradox das klingen mag. Denn es stimmt ja, was Rickers sagt: Dass viele Kunden gerne mehr Geld für gute und gut produzierte Nahrungsmittel ausgeben würden. Das Wohlstandsniveau in Deutschland ist so hoch wie nie, das Gesundheitsbewusstsein auch, die Preise für Lebensmittel sind im EU-Vergleich weiter sehr niedrig. Doch kann ich sicher sein, dass Handel und Molkereien den höheren Preis für eine teurere Milch aus dem Kühlregal auch wirklich an die Bauern weitergeben? Und kriegt der Schweinemäster von dem höheren Preis, den ich für das Fleisch da rechts in der Auslage zahle, wirklich mehr ab als die paar Cent pro Kilo, die er für das Tiefstpreis-Schnitzel bekommt?

Es wäre zumeist eine kaum zu bewältigende Detektivarbeit nötig, um das herauszufinden. Ohne dieses Wissen aber kann der Kunde in diesem wichtigen Punkt keine bewusste, freie Entscheidung für oder gegen einen Kauf treffen. Eine einheitlich Abgabe würde die Verbraucher also entlasten. Und sie würde Schwung in die offensichtlich mehrheitlich gewollte tiergerechte Umgestaltung der Landwirtschaft bringen.

Dass jetzt ausgerechnet ein CDU-Politiker mit diesem Vorstoß an die Öffentlichkeit geht, überrascht nur auf den ersten Blick. Denn längst ist der Wunsch nach gesunden Nahrungsmitteln und einem möglichst respektvollen Umgang mit der Natur und den Nutztieren im Stall und auf der Weide Allgemeingut gerade auch der breiten bürgerlichen Mitte geworden. Und das ist gut so. Die Kirche zum Beispiel forderte schon vor zehn Jahren ein „Ethos der Mitgeschöpflichkeit“ ein. Dass Hoteliers jetzt Projekte starten, um zum Beispiel die Lebensmittelverschwendung am Frühstücksbuffet zu stoppen, kann man als weiteren Beleg dafür werten. Denn ein Tier nur zu töten, um die aus ihm hergestellten Produkte später wegzuwerfen, darf und muss man wohl ohne Zweifel als die respektloseste Art des Umgangs mit einem Mitgeschöpf betrachten. Bericht Seite 1 und 10

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kommentar
Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

Sollte die Direktwahl von Bürgermeistern abgeschafft werden?

Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den November 2017 zu sehen!