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Schäubles Schönrechnung

Ruhestand erst mit 70? Am Ende geht das zu Lasten der Rentner. Schäubles Schönrechnung

Die Drake-Formel ist unter Astronomen berühmt: Mit ihr lässt sich berechnen, wie viele außerirdische intelligente Lebewesen unsere Galaxie bevölkern.

Die Drake-Formel ist unter Astronomen berühmt: Mit ihr lässt sich berechnen, wie viele außerirdische intelligente Lebewesen unsere Galaxie bevölkern. Das Problem ist, dass mindestens vier der sieben Faktoren dieser Gleichung praktisch nur geschätzt werden können. Ein wenig scheint es, als ob es sich mit der Rentenformel ganz ähnlich verhält: Wer wissen will, wie viel Rente er bekommen wird, muss ziemlich viele Unsicherheitsfaktoren berücksichtigen. Finanzminister Schäuble möchte diesem mathematischen Konstrukt jetzt noch eine Variable hinzufügen: Der Rentenbeginn soll quasi automatisch an die Lebenserwartung gekoppelt werden.

 

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Von Udo Harms

Der Grundgedanke ist einfach. Natürlich können wir später in Rente gehen, wenn wir viel älter werden. Vielleicht müssen wir das, weil die Rente sonst bald nicht mehr finanzierbar ist. Und manche wollen das möglicherweise sogar, weil sie sich mit 65 oder auch 67 Jahren noch fit fühlen und die Langeweile zu Hause fürchten.

Die von Schäuble genannten Probleme des Rentensystems sind lange bekannt. Sicher ist, dass einer immer größer werdenden Zahl von Rentenbeziehern eine immer kleinere Zahl von Beitragszahlern gegenübersteht. Das lässt sich auch nicht einfach durch den Zuzug von Flüchtlingen oder anderen Einwanderern ausgleichen. Zu Recht weist Schäuble zudem darauf hin, dass der demografische Wandel auch das Gesundheitssystem und die Pflege schwer belasten wird. Das ist alles wahr — und führt deshalb gleich zur Frage, warum die Bundesregierung sich nicht längst darum gekümmert hat.

Im Gesundheitswesen ist es immer noch nicht gelungen, die Kostenexplosion zu stoppen; in der Pflege hat man jetzt erst angefangen, sich ernsthaft mit Demenz zu befassen. Und an der Rente doktert man zwar seit 15 Jahren herum, seit Rot-Grün die Senkung des Rentenniveaus beschlossen hat. Doch heute wird vor allem klar, dass immer weniger Menschen von der gesetzlichen Rente anständig werden leben können. Das Konzept steht vor dem Scheitern, weil auch Betriebsrenten und Riester-Rente unterfinanziert sind oder zu wenig abwerfen.

Schäubles Ansatz verspricht den künftigen Rentnern deshalb auch nichts Gutes; am Ende geht es nämlich darum, bei ihnen zu sparen. Denn viele Menschen gehen aus gesundheitlichen oder anderen Gründen vorzeitig in den Ruhestand — mit erheblichen Abstrichen bei der Rente. Schäuble spekuliert darauf, dass dies auch künftig so sein wird: Bei einem Renteneintrittsalter ab zum Beispiel 70 Jahren wären die Abstriche dann noch größer.

Es fehlt noch immer ein überzeugendes Rentenkonzept. Es reicht nicht, die Rentenformel einfach um einen weiteren Faktor zu erweitern, um sich das Rentensystem schönzurechnen. Denn dabei kommt immer nur dasselbe heraus: immer weniger.

LN

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