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Starke Gesellschaft trotzt dem Terror

LEITARTIKEL Starke Gesellschaft trotzt dem Terror

Brüssel, Paris, Manchester, Nizza, Istanbul – wie oft mischte sich in die betroffen machenden Terrornachrichten das Gefühl: Schlimm, aber zum Glück weit weg.

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Von Nick Vogler

Brüssel, Paris, Manchester, Nizza, Istanbul – wie oft mischte sich in die betroffen machenden Terrornachrichten das Gefühl: Schlimm, aber zum Glück weit weg. Ein Gefühl, dem man im gleichen Moment misstraut, in dem es sich scheinbar besänftigend einmischen will. Und nun ereignet sich Terror in Hamburg, direkt vor der Haustür. Schrecken und Blutvergießen in einer norddeutschen Einkaufsstraße. Es ist kein Konzert, kein Volksfest, keine Menschenansammlung, die man hätte meiden können. Hamburg zeigt uns mit aller Deutlichkeit, was schon vorher klar war: Die Terrorgefahr gehört zum Alltag. Sie geht uns alle an – und dagegen wehren kann sich nur eine starke Gesellschaft.

„Die Terrorgefahr gehört zum Alltag. Sie geht uns alle an – und dagegen wehren kann sich nur eine starke Gesellschaft.

Natürlich drängen sich nach dem Verbrechen am Freitag sofort Fragen auf, ob die Gesellschaft an dieser Stelle wirklich so stark war, wie sie hätte sein müssen. Hätten Polizei und Verfassungsschutz Hinweisen drängender nachgehen, hätte entschlossener gehandelt werden müssen? Auch nach Anschlägen in Würzburg, Ansbach und am Berliner Weihnachtsmarkt wurden hitzige Debatten geführt, Untersuchungsgremien eingesetzt, Gesetze verschärft, Abschiebungen erleichtert, die Überwachung von Gefährdern verstärkt. Alles vergebens? Wieder werden sofort Rufe nach einer noch härteren Abschiebepolitik und strengeren Einreisekontrollen laut. Im Internet quellen die Foren über, der Boden für Hasskommentare ist bereitet.

Zu einer starken Gesellschaft gehört, dass Taten wie diese rückhaltlos aufgeklärt werden. Dass aufgedeckt wird, ob es Versäumnisse gab und wer dafür Verantwortung trägt. Dass man sich aber auch denen in den Weg stellt, die voreilige Schlüsse ziehen, die jetzt wieder hetzen und Fremdenfeindlichkeit schüren.

Sinnbildlich gehandelt haben die Männer, die sich dem Attentäter in den Weg stellten, als er angeblich im Namen Gottes um sich stach, mordete und verletzte. Die Art der Zivilcourage, die sie gezeigt haben, kann und darf nicht von jedem verlangt werden. Sie haben sich selbst in Gefahr gebracht – aber ihr Zusammenhalt und entschlossenes gemeinsames Vorgehen hat an diesem Tag vielleicht noch Schlimmeres verhindert. Sie bezeichnen sich selbst nicht als Helden und werden doch in Hamburg schon als solche gefeiert. Dass sie nicht aus Deutschland stammen, trägt offenbar in vielen Danksagungen besonders dazu bei, dass ihnen der Heldenstatus zugesprochen wird. Dabei ist ihr Handeln gerade für etwas anderes beispielhaft: Religion, Nationalität und Herkunft – all das spielt keine Rolle. Hier haben Menschen einen Verbrecher gestoppt. Allein dafür gebührt ihnen Dank.

LN

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