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Statt Antworten mehr Fragezeichen

Die Rolle des DFB bei der Vergabe der WM 2006 bleibt unklar. Statt Antworten mehr Fragezeichen

Das soll jetzt also der große Befreiungsschlag gewesen sein? Der Beweis, dass beim Deutschen Fußball-Bund von nun an transparent gearbeitet wird.

Das soll jetzt also der große Befreiungsschlag gewesen sein? Der Beweis, dass beim Deutschen Fußball-Bund von nun an transparent gearbeitet wird. War das die rückhaltlose Aufklärung, die vorher vom DFB versprochen worden war?

Leider nein. Trotz viermonatiger Untersuchungen durch das Beratungsunternehmen Freshfields ist bei der Vorstellung des Abschlussberichts nur unterstrichen worden, was jeder aufgrund der Enthüllungen eh schon wusste. Ja, es gab rund um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 seltsame Geldströme. Ja, nicht nur die Rolle von Franz Beckenbauer ist dabei durchaus fragwürdig. Ja, der im November von seinem Amt zurückgetretene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach wusste schon länger von den Merkwürdigkeiten, schwieg aber.

Damit wurde eine Chance verpasst. Denn die zentrale Frage ist nicht aufgeklärt worden. Die Aussage „Wir haben keinen Beweis für einen Stimmenkauf gefunden, können diesen aber auch nicht ausschließen“

ist keine Antwort darauf, wie das spätere Sommermärchen nach Deutschland gekommen ist. Jetzt sind die Fragezeichen sogar noch größer. Ist das Vertuschungssystem beim DFB so tief verankert gewesen, dass nicht einmal ein Stab aus Ermittlungsexperten durch die Verflechtungen steigt? Oder war damals nur eine Horde Einzelkämpfer am Werk, die im Hinterzimmer dubiose Deals mit dem Ziel WM 2006 ausbaldowert haben? Nicht einmal die Gute-Nacht-Geschichte, dass alles am Ende gar nicht so schlimm war, hat der DFB gestern erzählen können.

Noch schlimmer ist, dass diejenigen, die für Aufklärung hätten sorgen können, mehr als ein Jahrzehnt über die Vorgänge schwiegen. Und auch in den vergangenen Monaten haben sie wenig dafür getan, Licht ins Dunkel zu bringen. Die offensichtliche Strategie der Beckenbauers und Niersbachs: Wenn sie schon nicht mehr für das Sommermärchen gefeiert werden, soll ihre eigene Legende so sauber wie möglich bleiben. Sie stehen für die alte Funktionärswelt, die noch nicht in der Moderne angekommen ist. Haben die DFB-Interimsverwalter das geschafft? Fraglich: Die Freshfields-Ermittler wurden beauftragt, da war Niersbach noch in Amt und Würden als DFB-Präsident. In den Fifa- und Uefa-Exekutivkomitees sitzt er noch immer . . .

Und so bleibt das Gefühl eines Zwischenberichts. Die gestrige Pressekonferenz stellt sich in eine Reihe mit solch peinlichen Auftritten wie der „Das entzieht sich meiner Kenntnis“-Rede Niersbachs vom 22. Oktober 2015 — sechs Tage, nachdem der erste „Spiegel“-Bericht das Sommermärchen-Beben auslöste.

Das Gewaber rund um die Frage, wie die WM 2006 nun wirklich nach Deutschland kam, geht weiter. Der Weg zu mehr Transparenz ist vielleicht eingeschlagen, am Ziel ist der deutsche Fußball aber noch lange nicht.

LN

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