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Triumph des korrekten Deutschen

Spitzenreiter im Politbarometer sind jenseits von Panama. Triumph des korrekten Deutschen

Winfried Kretschmann ist ehrlich gesagt ein bisschen spießig. Das finden auch Parteifreunde des 67-jährigen grünen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg.

Winfried Kretschmann ist ehrlich gesagt ein bisschen spießig. Das finden auch Parteifreunde des 67-jährigen grünen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Die altmodischen Anzüge, das weiße Haar mit Bürstenschnitt. Und dann noch das schwäbisch- provinzielle Privatleben des einstigen katholischen Oberministranten. Mit Ehefrau Gerlinde geht er wandern, gern auf längere Touren. „Da wird allerlei geboten“, freut sich Kretschmann. „Pflanzen, Insekten und anderes Getier — alles zusammen ein wunderbares Naturerlebnis.“

 

LN-Bild

Von Matthias Koch

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In dieser Woche geriet der Wandersmann wundersam auf einen Gipfel, den er noch nie betreten hatte: Kretschmann ist neuerdings im Politbarometer der beliebteste deutsche Politiker. Für die Grünen liegt darin, nachdem sie in Baden-Württemberg stärkste Partei wurden, auch eine bundespolitische Ermutigung.

Bemerkenswert ist auch, wer Kretschmann auf den Plätzen zwei und drei folgt: Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Wolfgang Schäuble (CDU). Mitten in den globalen Turbulenzen durch die Panama-Papiere stellen sich die Deutschen im Politbarometer eine Art sauberes Gegenbild zusammen: mit Politikern, die sie nicht nach links oder rechts sortieren, sondern nach Vertrauenswürdigkeit.

Zu besichtigen ist der Triumph des korrekten Deutschen. Und von diesen Typen hat die deutsche Politik viel zu bieten. Eine solche positive Feststellung darf man sich, bei aller sonstigen Kritik, ruhig einmal gestatten.

Mit Blick auf die Nummern eins und zwei im Staate, Joachim Gauck und Angela Merkel, fällt es schwer, sich ein korrumptives Zusammenrücken auch nur bildlich vorzustellen. Welcher Finanzberater würde flüsternd auf Gauck zutreten und ihm einen privaten Steuervorteil durch eine an fernen Küsten operierende Briefkastenfirma versprechen? Welcher Industrielle würde Merkel auch nur anbieten, auf seiner Yacht mal mit hinauszufahren aufs glitzernde Meer? Für Regierungschefs wie Silvio Berlusconi etwa gehörte so etwas einst zum Alltag, von Russlands Wladimir Putin und seinen Milliardärsfreunden ganz zu schweigen. Als Merkel dagegen zuletzt am Mittelmeer unterwegs war, machten kopfschüttelnde Journalisten von ihr Fotos, als sie mit Ehemann Joachim Sauer geduldig auf die Fähre wartete.

Die Berliner strahlen die richtigen, die seriösen Botschaften aus. Politik ist nicht irgendein Jux für Machtgeile. Führen heißt Dienen. Finanzminister Schäuble etwa dient dem Staat schon seit 1971, damals wurde er Finanzbeamter in Freiburg. In dieser Woche übrigens überreichte ihm die Stiftung Marktwirtschaft einen Preis für seine Haushaltspolitik. Das Preisgeld von 15000 Euro hätte Schäuble behalten können. Doch er spendete es ans Deutsche Rote Kreuz, für Flüchtlingsprojekte nahe den Grenzen Syriens. Die Geste ist ebenso schlicht wie wirksam. Wer als Politiker so handelt, steigert seine Distanz zum Zwielicht Panamas aufs Maximale.

LN

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