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Trügerische Macht der Lieferanten

Ein Mittelständler bringt VW und sich selbst in Gefahr. Trügerische Macht der Lieferanten

Eine Weltrezession war nötig, um VW 2009 zur Kurzarbeit zu zwingen. Jetzt genügt der Krach mit einem nicht besonders großen Zulieferer.

Eine Weltrezession war nötig, um VW 2009 zur Kurzarbeit zu zwingen. Jetzt genügt der Krach mit einem nicht besonders großen Zulieferer. Die Produktion stockt, und Tausende, womöglich Zehntausende Mitarbeiter müssen pausieren, weil es an Bezügen für Sitze und Gussteilen für Getriebe fehlt. Der Weltkonzern muss vor Gericht ziehen, damit der Mittelständler weiter Geschäfte mit ihm macht.

 

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Von Stefan Winter

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Es ist die Art Problem, die der Wolfsburger Konzern mitten in der Dieselkrise so gar nicht brauchen kann. Weil beide Seiten zu den Gründen der Eskalation schweigen, ist jede Spekulation gut genug.

Hat VW im Sparzwang den Preisdruck übertrieben? Die Wolfsburger Einkäufer sind nicht umsonst die unbeliebtesten der Branche. Sind sie auch noch unfähig, weil sie das Unternehmen bei entscheidenden Bauteilen von nur einem Lieferanten abhängig machen? Oder treibt hier einen abgehobenen Zulieferer die Todessehnsucht? Denn eines ist klar: VW wird diese Episode überstehen, auf den Lieferanten mag man dagegen nicht wetten. Wer einmal Kunden hängen ließ, muss schon sehr billig anbieten, um neue zu finden. Der Kampf um bessere Konditionen wird für Car Trim, ES Automobilguss und die hinter ihnen stehende Prevent-Holding nach hinten losgehen.

Das Verhältnis zwischen Zulieferern und Herstellern ist chronisch heikel. Wer nicht gerade Continental, Bosch oder ZF heißt, ist der Kundschaft auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. In Preisrunden wird nicht über Erhöhung, sondern nur über Senkung gesprochen, und nach unten gibt es nur eine Grenze: Der Lieferant soll möglichst nicht pleite gehen, denn auch der Kunde ist abhängig. Rund drei Viertel des Fahrzeugwerts stammt von Zulieferern – von der Gummidichtung bis zum Antiblockiersystem. Geliefert werden Teile und Module im endlosen Fluss direkt ans Band und nicht selten identisch in mehreren Teilen der Welt. Wenn sich Hersteller also für technischen Fortschritt, niedrige Kosten oder flexible Fertigung rühmen, gebührt die Ehre zuerst ihren Lieferanten.

Weil die Anforderungen an die Teileproduzenten enorm gestiegen sind, verändert sich auch die Struktur. Immer mehr Mittelständler werden in größeren Verbünden eingesammelt, was die Kundschaft ausdrücklich begrüßt. Doch bisweilen bekommt sie es in diesem Prozess mit neuen Spielern zu tun, die nicht seit Generationen im fragilen Zulieferbiotop heimisch sind. Große Finanzinvestoren sind da unterwegs oder eben auch eine bosnische Familie, die rund um Prevent ein unübersichtliches Firmengeflecht gesammelt hat und offenbar auf den Branchenkodex pfeift, nach dem man besser still leidet, wenn man im Geschäft bleiben will. Doch deren Weg, vertraglich garantierte Lieferungen zu verweigern, führt direkt aus dem Geschäft – womöglich zulasten mehrerer Hundert Mitarbeiter.

Bericht Seite 8

LN

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