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Trump, der Papst und ein Pastor

Kommentar Trump, der Papst und ein Pastor

Der arme Papst. Da ist er nun mit dem Milliardär Donald Trump zusammengerasselt und hat, wie es scheint, auch noch den Kürzeren gezogen ...

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Von Matthias Koch

Franziskus hatte sich, nach einem Auftritt in Mexiko, ein bisschen in den US-Wahlkampf eingemischt und vor Trumps Plänen zur Totalabschottung der USA gewarnt: „Wer Mauern bauen will statt Brücken, der ist kein Christ.“

Eiskalt ließ Trump seine PR-Kanonen gegen den Papst drehen und feuerte zurück. Offenbar sei der Papst „einseitig informiert“, er habe „schändliche“ Äußerungen von sich gegeben. Der Papst sei gut beraten, lieber den Ball flach zu halten. Falls nämlich eines Tages IS-Terroristen den Vatikan attackierten, werde der Papst „noch darum beten“, dass ein starker Führer wie er, Trump, im Weißen Haus sitze.

Nie hat ein US-Präsidentschaftskandidat sich auf so arrogante Art über das Oberhaupt der katholischen Kirche erhoben. Doch erste Reaktionen im Internet deuten darauf hin, dass sehr viele Amerikaner zu Trump halten: Natürlich haben wir das Recht, eine Mauer zu errichten!

Der Vorgang wirft ein grelles Licht auf die neuen Zeiten, in denen wir leben. Christliche Moralvorstellungen erscheinen zunehmend als letzte Zuckung einer in die Defensive geratenen, belächelten Minderheit. Zu Zeiten John F. Kennedys, des einzigen katholischen Präsidenten, wäre so etwas nicht passiert. Den Baptisten Jimmy Carter trieb der christliche Glaube noch über seine Amtszeit hinaus zu immer neuen Friedensmissionen und zu einem Einsatz für die Menschenrechte. Alles Schnee von gestern, alles altes Denken.

Jetzt schlägt die Stunde einer moralfreien Modernität. Der Kandidat Trump sprach sich sogar für neue Foltermethoden aus: Grinsend definiert der Selfmademan auch seine Moral selbst. Bahn frei für neue politische Führer, die das Allerhöchste in sich selbst gesucht und gefunden haben. Man fühlt sich ein bisschen erinnert an Josef Stalins höhnische Frage: „Wie viele Divisionen hat der Papst?“

Die Osteuropäer vergessen derzeit glatt ihr Christentum und rollen Stacheldraht aus. In Deutschland sehnen sich manche wieder nach Schüssen an den Grenzen. Russland treibt mit seinen Bomben auf Aleppo noch mehr Syrer in die Flucht und finanziert zugleich quer durch Europa rechtsradikale Gruppen, die gegen die Aufnahme von Flüchtlingen zu Felde ziehen. So fahren dann, wie bei einem destruktiven Spiel mit Märklin, alle Züge heillos aufeinander.

Die deutsche Kanzlerin, heißt es dieser Tage oft, sei international isoliert wie noch nie. Woran liegt das? Der Schuldige ist am Ende Horst Kasner, Angela Merkels Vater. Er war evangelischer Pastor in Templin und lehrte seine Tochter, dass man selbstverständlich den Armen helfen müsse. Wer ernsthaft so denkt, gerät heute schnell ins Abseits.

Ein Kommentar von Matthias Koch

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