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Urlaub in Zeiten des Terrors

Ferien 2016: Die Angst bestimmt, welche Ziele wir buchen. Urlaub in Zeiten des Terrors

Menschen wie Béatrice Chicanaux haben einen schweren Stand in diesen Tagen. In Wien, einen Steinwurf entfernt vom Prater, eröffnete gerade die Branche traditionell ...

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Von Uwe Nesemann

Menschen wie Béatrice Chicanaux haben einen schweren Stand in diesen Tagen. In Wien, einen Steinwurf entfernt vom Prater, eröffnete gerade die Branche traditionell mit der Ferienmesse das Tourismusjahr 2016. Als Vertreterin Tunesiens muss Béatrice Chicanaux indes mehr über Polizei, Wachpersonal und Sicherheit reden als über die Schönheiten des nordafrikanischen Landes. Nicht besser geht es ihren Kollegen und Kolleginnen, die Reiselustige in Ziele wie Ägypten, Indonesien oder die Türkei locken wollen; oder nach Frankreich. Es ist der Schatten des Terrors, der im Wiener Messezentrum wie ein Gespenst durch die Halle wabert. Und wenn sich im März die Branche zur ITB in Berlin trifft, wird das nicht anders sein. Die Angst geht um, und Sicherheit ist plötzlich beim Urlaub ein Qualitätsmerkmal.

Die bittere Wahrheit daran ist: Die krude Logik der IS-Verbrecher scheint aufzugehen. Indem sie unschuldige Feriengäste abschlachten, berauben sie die Gastgeberländer ihrer Einnahmequellen. Mord als Mittel der Politik — das ist perfide Wirklichkeit geworden.

So bleiben die Hotels und Strände in Ägypten oder der Türkei in diesem Jahr wohl leerer als sonst, oder sie biedern sich zu Billigstpreisen an, was nach ein paar Jahren dasselbe Ergebnis nach sich zieht — den Bankrott. Stattdessen wandern die Urlauber ab, wie es aussieht vor allem nach Spanien und auch nach Deutschland.

Aber was soll man den Menschen auch anderes raten? Sich nicht einschüchtern zu lassen, Mut und Stärke zeigen und den Terroristen zu trotzen? Solche Worte mögen sich gut anhören, wenn ein französischer Präsident sie seinen Landsleuten nach den Attentaten von Paris zuruft, zumal aus der Distanz. Aber sie taugen nicht für Familien, die in die Ferien fahren wollen. Wenn Urlaubs-Paradiese zur Hölle werden, hilft kein falscher Heldenmut. Nur Vernunft.

Wo die beginnt, weiß aber leider auch niemand genau. Natürlich ist Besorgnis angebracht — es verdichten sich aber die Anzeichen, dass da zurzeit großflächig hyperventiliert wird. Trotz aller Anschläge ist die Wahrscheinlichkeit, im Urlaub Opfer von Gewalt zu werden, ja nach wie vor verschwindend gering, auch in den besonders gefährdeten Ländern. Und absolute Sicherheit gibt es sowieso nicht. Wenn irgendwo Verrückte beschließen, sich mit Sprengstoffgürteln in die Luft zu jagen und wildfremde Menschen mit den Tod zu reißen, dann hält man die nur schwer auf. Das gilt für Istanbul genauso wie für den Bayerischen Wald.

Wenn es unter dem Strich überhaupt etwas gibt, was sich mit Bestimmtheit sagen lässt, dann dies: Jene Länder, bei denen die Urlauberzahlen nach oben schnellen, sollten sich davor hüten, als Gewinner aufzutreten. Wenn der Terror nämlich wirklich erst einmal über die Ratio siegt und Angst zum beherrschenden Argument wird, haben alle verloren.

LN

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