Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Von Arbeit, Steuern und Moral

Die Wirtschaft wächst — aber der Zuwachs dient längst nicht allen. Von Arbeit, Steuern und Moral

Also sprach Arbeitsministerin Andrea Nahles angesichts der „stärksten Rentenerhöhung seit 23 Jahren“: „Die Rentnerinnen und Rentner profitieren damit unmittelbar ...

Also sprach Arbeitsministerin Andrea Nahles angesichts der „stärksten Rentenerhöhung seit 23 Jahren“: „Die Rentnerinnen und Rentner profitieren damit unmittelbar von der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt, dem Wachstum der Wirtschaft und steigenden Löhnen.“ Nimmt man sie ernst, lässt sich aus diesen Worten folgern: Es gibt Wirtschaftswachstum, eine gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und steigende Löhne. Warnungen aus einschlägig verkniffenem Munde, steigende Löhne gefährdeten die ordentlich prosperierende Wirtschaft, bewahrheiten sich in diesem Fall offenbar nicht.

 

LN-Bild

Von Michael Wittler

Quelle:

Im Gegenteil: Die gute Binnennachfrage halte die Wirtschaft auf Wachstumskurs, melden die Wirtschaftsforscher ein ums andere Mal, im In- und Eurozonen-Ausland — freilich meist ohne einen Zusammenhang zwischen steigenden Löhnen und der konjunkturfördernden privaten Nachfrage zu erwägen. Aber nur Mut: Wer am heutigen 1. Mai oder in den laufenden Tarifverhandlungen ein spürbares Lohnplus fordert, kann dies ganz im Sinne der Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums tun.

Hohe Beschäftigungszahlen und steigende Löhne müssten doch auch eine gute Nachricht für die Sozialkassen sein. Gleichwohl hetzt man Junge und Alte aufeinander: Erstere würden immer mehr ausgeplündert, um Letztere maßlos zu verwöhnen. Daher müsse das Rentenniveau weiter sinken, das Renteneintrittsalter weiter steigen, möglichst in dem Maße, wie wir älter werden. Wobei die Lebenserwartung in den letzten 100 Jahren um über 50 Prozent gestiegen ist — ohne dass das Renteneintrittsalter ständig heraufgesetzt wurde. Es geht offenbar auch anders.

Allerdings nur, wenn der erarbeitete volkswirtschaftliche Mehrwert auch entsprechend verteilt wird. Was wohl kaum der Fall war, wenn vor einem Jahr die Reallöhne erstmals wieder auf dem Stand von 2000 waren — während die Wirtschaft in jenem Zeitraum ihr Bruttoinlandsprodukt von 2,1 auf 2,9 Billionen Euro erhöhte und die ungleiche Vermögensverteilung sich allen Statistiken zufolge zugunsten der begüterten Schichten weiter verschärfte.

Zugleich sanken durch allerlei Steuerreformen — für wen wohl? — die Einnahmen des Staates allein zwischen 2000 und 2011 um 400 Milliarden Euro, die natürlich für Infrastruktur, Rentenzuschüsse und Lohnerhöhungen fehlten. Immerhin, so schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaft, konnte es sich der Staat leisten, die Unternehmen jährlich etwa 90 Milliarden Steuern „sparen“ zu lassen — durch legale Steuertricks. Aber auch durch legitime? Panama olé!

Dabei kann Vater Staat penibel sein — wenn er Rentenerhöhungen gleich wieder versteuert oder bei Hartz-IV-Aufstockern verrechnet, so wie er alleinerziehenden Müttern das Hartz- Geld kürzen will, wenn ihr Kind ab und zu beim Vater ist. Hätten sie ihr Geld mal lieber im Briefkasten abgelegt. Berichte Seite 1, 4 und 10

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kommentar
Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

Machen Ihnen Terror-Anschläge, wie der jüngste in Barcelona, Reiseangst?

Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den Juli 2017.