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WHO-Zika-Alarm: Übersteigerte Angst mit positiven Nebeneffekten

Kommentar WHO-Zika-Alarm: Übersteigerte Angst mit positiven Nebeneffekten

Die Weltgesundheitsorganisation lerne dazu: Sie wollte sich nicht noch einmal dem Vorwurf aussetzen müssen, zu spät reagiert zu haben, meint unsere Redakteurin Marina Kormbaki. Es gebe zwar begründete Zweifel an dem "Alarmismus" der WHO - dennoch habe er zwei begrüßenswerte Nebeneffekte.

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Von Marina Kormbaki

Die erst kürzlich für beendet erklärte Ebola-Epidemie in Westafrika hat mehr als 30 000 Menschen das Leben gekostet. Die große Zahl der Opfer führen Experten auch auf die zögerliche Reaktion der Gesundheitsbehörde der Vereinten Nationen zurück. Jetzt, da das Zika-Virus die Welt erschreckt, will die WHO-Generaldirektorin Margaret Chan beweisen, dass ihre Behörde sehr wohl schnell und entschlossen Epidemien bekämpfen kann.

Daher hat die WHO nun aufgrund des in Lateinamerika grassierenden Erregers den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Das Zika-Virus verbreite sich „explosionsartig“, die Alarmstufe sei „extrem hoch“. Die WHO erweckt den Anschein, Zika sei das neue Ebola. Doch nach allem, was man bisher über Zika weiß, ist eine solche Gleichsetzung übertrieben.

Alles über das Zika-Virus erfahren Sie auf unserer Themenseite

Es gibt begründete Zweifel an den Zahlen der WHO zu den Fehlbildungen bei Neugeborenen. So werden die rund 4200 in Brasilien bisher gemeldeten Verdachtsfälle zu „Fällen von Mikrozephalie“ erklärt, obwohl es sich — erstens — noch um überwiegend unbestätigte Verdachtsfälle handelt. Zweitens gehen brasilianische Gesundheitsbehörden zurzeit auf Nummer sicher und legen die Diagnosekriterien sehr weit aus. Und drittens hinkt der WHO-Vergleich zwischen den jetzt „Tausenden Fällen“ von Schädelfehlbildungen mit jenen „wenigen Hundert“ aus früheren Jahren: Es werden aktuelle Daten aus Ultraschallmessungen bei Föten mit früheren Messungen bei Neugeborenen verglichen. Dabei sind Messungen im Mutterleib ungenauer als solche nach der Geburt.

Alarmismus hilft jetzt nicht weiter, dem Ruf der WHO wird er kaum nützen. Allerdings könnte die übersteigerte Angst zwei begrüßenswerte Nebeneffekte zeitigen. Zum einen dürfte die Bereitschaft der Pharmaindustrie zunehmen, endlich in die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Zika-Virus zu investieren. Und zum anderen entfacht das Virus schon jetzt eine im katholischen Lateinamerika überfällige Debatte über ein Ende der harten Abtreibungsgesetze.

Frauenrechtler fordern grundsätzlich die Lockerung von Abtreibungsverboten. Ihre Befürchtung: Die Angst vor Fehlbildungen und der Aufruf einiger Regierungen, Kinderwünsche sicherheitshalber um ein paar Jahre aufzuschieben, würden dazu führen, dass noch mehr Frauen illegale und gefährliche Abtreibungen durchführen lassen werden als ohnehin schon.

Der Ruf nach einer Lockerung des Abtreibungsverbots ist berechtigt — verheerend wäre es jedoch, den Schluss zu ziehen, Abtreibungen seien eine legitime Vorsichtsmaßnahme gegen das Zika-Virus. Lokale und globale Gesundheitsbehörden haben die Pflicht, hier Aufklärung zu leisten. Ganz sachlich.

Ein Kommentar von Marina Kormbaki.

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