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Warum alle in den Norden wollen

Urlaub in Schleswig-Holstein liegt voll im Trend. Warum alle in den Norden wollen

Es ist erst ein paar Jahre her, als Touristiker, nach der Prognose für die laufende Saison gefragt, vorsichtig ein Plus von ein oder zwei Prozent versprachen – bei ...

Es ist erst ein paar Jahre her, als Touristiker, nach der Prognose für die laufende Saison gefragt, vorsichtig ein Plus von ein oder zwei Prozent versprachen – bei den Übernachtungs-, Gäste- oder Umsatzzahlen. Und am Ende des Kalenderjahres waren sie heilfroh, wenn ihre Weissagung halbwegs eingetroffen war.

 

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Von Curd Tönnemann

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Anno 2016 ist alles anders. Über ein Plus von zwei Prozent würde die Tourismusbranche nur müde lächeln. Die Zuwachsraten sind satt. Die Gäste sind in Scharen ins Urlaubsland Schleswig-Holstein gekommen. Aber warum ist es im „echten Norden“, an der boomenden Ostsee und ihrem Hinterland, auf einmal so schön?

Für eine Erklärung muss man in den Rückspiegel schauen: Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass Schleswig-Holstein beinahe über Nacht einen neuen Konkurrenten bekam. Die Grenze zur DDR war gefallen.

In Mecklenburg-Vorpommern entstanden Hotelpaläste, neue Seepromenaden. Mit dem Bau der Ostsee-Autobahn folgte die Infrastruktur, die bis dahin unbekannte Bäder auf einen Schlag gut erreichbar machte.

Rügen und Usedom – das war auf einmal trendy. Schleswig-Holstein verharrte im Tiefschlaf. „Lass die doch in den Osten fahren. Wenn das Neue daran weg ist, kommen die Gäste schon zurück“, lautete ein viel gehörtes Argument schleswig-holsteinischer Touristiker. Es war die Entschuldigung für Lethargie. Es folgte die Quittung: Viele Urlauber kehrten Schleswig-Holstein, dem in Waschbeton gegossenen Urlaubstraum alter Tage, den Rücken.

Das Land hat lange gebraucht, um aufzuwachen. Inzwischen ist das passiert. Und wie! Moderne Hotels sind entstanden, tolle Promenaden, neue Seebrücken, Lounges an den Stränden, Fischereihäfen, die mehr als Fisch bieten. Urlaub 2.0 sozusagen. Scharbeutz und Heiligenhafen an der Ostsee, St.-Peter-Ording an der Nordsee sind nur drei Beispiele. Und wieder gibt es die Quittung. Die Urlauber sind zurück.

Aber seien wir ehrlich: Die Rundumerneuerung ist es nicht allein. Terrorangst veranlasst eine wachsende Zahl an Bundesbürgern, die Ferien im eigenen Land zu verbringen statt in die Ferne zu schweifen. Die Türkei gilt als passé, Nordafrika ist gefährlich, Anschläge in Frankreich schrecken sogar vor einem Urlaub beim Nachbarn ab. Bleibt Urlaub auf Balkonien – oder eben an Nord- und Ostsee. Sprit ist günstig.

Was jetzt fehlt, ist das, was man neudeutsch Nachhaltigkeit nennt: Die Gäste müssen auch wiederkommen. Wer in diesem Jahr an der See 14 Tage bei Nässe und Kälte verbracht hat, denkt darüber vielleicht nochmal nach. Außerdem haben Urlauber ein Kurzzeitgedächtnis, was Krisen in der Welt angeht – sagen Zukunftsforscher. Nächstes Jahr kann alles anders sein. Freuen wir uns über die Erfolge im Schleswig-Holstein-Tourismus, im Hier und Jetzt. Aber jubeln wir noch nicht zu laut. Das steht uns Norddeutschen auch gar nicht.

LN

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