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Warum die Verkehrswende auf der Stelle tritt

LEITARTIKEL Warum die Verkehrswende auf der Stelle tritt

Es ist ein Henne-Ei-Dilemma.Wenn es mehr Ladestationen gäbe, würden mehr Menschen auf ein Elektro-Auto umsteigen.

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Von Lars Fetköter

Es ist ein Henne-Ei-Dilemma.Wenn es mehr Ladestationen gäbe, würden mehr Menschen auf ein Elektro-Auto umsteigen. Wenn mehr Menschen auf Elektro-Autos umsteigen, würden Betreiber mehr Ladestationen aufstellen. Die Ursache ist die Wirkung – und umgekehrt. Das Ergebnis ist nicht viel besser als Stillstand: Die Verkehrswende wird ausgebremst.

„Eine Stadt wie Lübeck wird

künftig lebenswerter sein, wenn dort mehr elektrisch gefahren wird und weniger mit Benzin und Diesel.

Eine Million Elektro-Autos sollten 2020 auf deutschen Straßen fahren, hat Angela Merkel vor fünf Jahren angekündigt. Von dieser Illusion hat sich die Bundeskanzlerin längst verabschiedet. Anfang 2017 waren es 34000. In Lübeck sind 117 Elektroautos angemeldet. 2500 müssten es laut Merkels Zielmarke in zweieinhalb Jahren sein. Eine Illusion.

Woran liegt das? Obwohl es eine satte Prämie beim Kauf eines E-Mobils gibt, kaufen wir Deutschen immer noch zu 98 Prozent Autos mit Verbrennungsmotor (Stand 2016), trotz aller Erkenntnisse über geschönte Verbrauchsmessungen. Fast jedes zweite neue Fahrzeug war ein Diesel, trotz aller Abgasmanipulationen.

„Wenn der Umstieg auf umweltschonende E-Autos gelingen soll, kann der Verbrennungsmotor Diesel nicht auf alle Zeiten weiter wie bisher subventioniert werden.“ Das sagt nicht etwa jemand von den Grünen oder von Greenpeace – sondern Matthias Müller, Vorstandschef von Volkswagen. Fossile Kraftstoffe sind also immer noch so günstig, dass der Umstieg auf ein Stromfahrzeug nicht lohnenswert erscheint. Und wir Autofahrer sind bequeme Gewohnheitstiere.

Der VW-Konzern, dessen schmutzige Diesel-Tricks das Vertrauen in das gute deutsche Auto hätten erschüttern können, hat bei der Entwicklung und dem Verkauf von Elektrofahrzeugen kaum Erfolge vorzuweisen. Noch setzen die deutschen Hersteller bis auf ein paar Alibi-Modelle auf Verbrenner. Mit einer Ausnahme: Die Post wollte elektrisch fahren, fand keinen Anbieter, und baute sich ihre E-Transporter selbst. 2016 sind in Deutschland mehr reine Elektro-Autos von der Post zugelassen worden als von VW oder Opel.

Klar: E-Autos sind nur so sauber, wie der Strom, den sie verbrauchen. Und auch die problematischen Substanzen in den Akkus gehören in eine ehrliche Ökobilanz. Aber eine Stadt wie Lübeck wird künftig lebenswerter sein, wenn dort mehr elektrisch gefahren wird und weniger mit Benzin und Diesel – auch wenn die Hansestadt wegen günstiger Winde noch bessere Luft hat als das von einem Fahrverbot bedrohte Kiel.

Das Beispiel Post zeigt: Selbstinitiative kann die Blockade lösen. Brechen wir das Henne-Ei-Dilemma auf! Kommunen und Versorgungsbetriebe, die die Energiewende Ernst nehmen, sollten getrost Ladesäulen aufstellen. Die Elektroautos werden kommen. Wer sich ein Elektroauto anschaffen möchte, soll es tun: Die Ladesäulen werden folgen.

LN

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