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Was ist aus den Dänen geworden?

Die Grenzkontrollen treffen Schleswig- Holstein schwer. Was ist aus den Dänen geworden?

Unsere lieben Nachbarn, die lockeren Dänen, unkompliziert, unverkrampft, liberal — so kannten wir sie.

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Von Curd Tönnemann

Unsere lieben Nachbarn, die lockeren Dänen, unkompliziert, unverkrampft, liberal — so kannten wir sie. Dänemark, das Land, in dem sich alle duzen und nur die königliche Familie eine formelle Anrede verdient. Dänemark mit seinem weltoffenen Kopenhagen und Urlaub in Jütlands Dünen bei Smørrebrød und Pølser. Seien wir ehrlich: Irgendwie waren wir steifen Deutschen immer neidisch auf diese Lebensart. Doch auf einmal sind die lieben Dänen böse. Weil sie ihre Grenzen dicht machen, weil sie sich vor „Fremden“ abschotten. Neue Regierung, strammer Kurs. Rechtsausleger werden sagen: Die Regierung in Kopenhagen tut eben, was sie wegen der Flüchtlingskrise tun muss.

Muss sie das wirklich? Gerade mal 21000 Asylgesuche hat Dänemark im vergangenen Jahr registriert. Das ist selbst angesichts der schmalen Zahl an Einwohnern nicht viel. Das Königreich könnte Zuzug verkraften, ohne dass dessen Bürger um ihren Reichtum fürchten müssen. Das gilt genauso für Deutschland, das eine ganz andere Zahl von Flüchtlingen bewältigen muss. Doch beide Staaten jammern auf hohem Niveau. Menschen, die in Not zu uns kommen, kosten uns viel Kraft. Das stimmt. Aber sie machen uns nicht arm, sondern reich — allerdings nicht im Portemonnaie, sondern im Herzen.

Okay, wir sollten nicht selbstherrlich die ganz große moralische Keule gegen die Dänen schwingen. Denn wir haben selbst keine Ideallösung parat. Enttäuscht über unsere einstmals so liberalen Vorbilder aus Dänemark dürfen wir aber allemal sein. Weil wir die Folgen einer immer dichter werdenden Grenze hautnah fürchten müssen. Gerade in Schleswig-Holstein.

Nur die Älteren unter uns nannten die freie Fahrt am Schlagbaum noch eine Errungenschaft, für die jüngere Generation war sie Normalität geworden: Studenten pendeln von Flensburg ins Nachbarland und umgekehrt. Berufspendler fahren tagtäglich über eine Grenze, die bis vor kurzem wirklich keine mehr war. Die Wirtschaft über die Grenze hinweg florierte. Das alles steht auf dem Spiel — zumal Kopenhagen mit einer Verschärfung der Regelung droht.

Die Dänen argumentieren damit, dass sie in der Flüchtlingskrise nationale Lösungen suchen, um den Druck auf eine gemeinschaftliche Lösung in Europa zu erhöhen. Aber was ist, wenn diese Rechnung nicht aufgeht? Ziehen wir zwischen Mittelmeer und Nordkap Mauern hoch, legen Stacheldraht aus, puppen uns ein? Europa kann dann einpacken. Was wir brauchen, sind klarere Regeln und schnellere Entscheidungen bei Asylverfahren. Wir brauchen aber keinen Kalten Krieg gegen Flüchtlinge.

Die Dänen sollten — so mutig und offen sie waren — wie wirkliche Europäer über den eigenen Tellerrand gucken. Und bedenken, welche Signalwirkung von ihrem Handeln ausgeht. Wir in Schleswig-Holstein würden als Erste für die Rückkehr zu alter Offenheit danken. Seiten 1 und 4

LN

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