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Wenn das Oma Käthie noch erlebt hätte...

Kommentar zu den Plänen der Schwartauer Werke Wenn das Oma Käthie noch erlebt hätte...

Oma Käthie hat mich schwer beeindruckt. Die Großmutter meines Schulfreundes trug zum Frühstück gerne groß auf: Ihr ganzer Stolz war ein rundes Korb-Tablett mit allen Marmeladen-Sorten, die die Schwartauer Werke zu bieten hatten. Das war lange vor der Zeit, als Verona Pooth für die süße Ware werben sollte.

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Ein Kommentar von Gerald Goetsch.

Marmelade aus Bad Schwartau gibt es überall, sie trägt den Namen des Ortes am Lübecker Stadtrand in die große Welt.

Dass nun ausgerechnet die Schwartauer Werke einen großen Teil der Produktion verlegen müssen, ist ein schwerer Schlag für die kleine, gepflegte Stadt. Und dabei geht es um weit mehr als um das Image des fruchtigen Werbeträgers. Der Luftkurort mit seinen fast 20 000 Einwohnern war immer stolz darauf, einen schuldenfreien Haushalt vorlegen zu können.Wie gern reibt man dies den Lübecker Nachbarn unter die Nase. Wenn die Schwartauer Werke künftig weniger Steuern in die Stadtkasse abführen sollten, hätte das Konsequenzen.

Den Schwartauer Werken geht es gut. Das traditionsbewusste Unternehmen ist Teil des Schweizer Lebensmittelherstellers Hero, an dem Arend Oetker mehrheitlich beteiligt ist. In den vergangenen Jahren wurde mächtig investiert. Der Platz am Stammsitz reicht nicht mehr. Die schlechte Nachricht ist eine gute für das Umland: Das Rennen um die neue Marmeladenfabrik hat begonnen. Und noch ist nur sicher, wer der Verlierer dieses Ansiedlungs-Streits sein wird.

Vom neuen Werk aus soll der Blick auf Lübecks sieben Türme fallen — das lässt den Kreis der Gewinner wachsen. Standorte gibt es in Ostholstein, aber auch in Stormarn und im Kreis Herzogtum Lauenburg.

Möglich, dass Lübeck von der Bad Schwartauer Platznot profitieren kann. Für die nicht gerade erfolgsverwöhnten Wirtschaftsförderer der Hansestadt wäre das eine Art Befreiungsschlag. Auch in Kiel wird gezittert: Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer weiß, was in diesem spannenden Wettstreit auf dem Spiel steht. Er muss verhindern, dass die Schwartauer Werke nach Mecklenburg-Vorpommern abwandern. Denn auch von Lüdersdorf hat man einen traumhaften Blick auf die Lübecker Silhouette.

Es könnte also zur Neuauflage des Streits kommen, der 2010 bei der Ausweisung von Gewerbeflächen in Lüdersdorf entbrannte. Damals hatte Mecklenburg-Vorpommern versucht, Lübecker Unternehmen aktiv ins Umland abzuwerben. Bürgermeister Saxe sprach von einem „Skandal“, sein Wirtschaftssenator fand das „schon fast kriminell“. Damals wie heute zeigt sich, dass Appelle zur Gemeinsamkeit in der Region Sonntagsreden bleiben, wenn es um Arbeitsplätze und Steuern geht.

Für die Mitarbeiter der Schwartauer Werke darf man hoffen, dass sie künftig nicht allzu weit zur Arbeit fahren müssen.

Die gute Schwartauer Marmelade aus Mecklenburg? Wenn das Oma Käthie noch erlebt hätte . . .

Ein Kommentar von Gerald Goetsch

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