Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 17 ° wolkig

Navigation:
Wer vertraut noch auf Argumente?

Der US-Wahlkampf könnte auch auf den Stil bei uns abfärben. Wer vertraut noch auf Argumente?

So schnell geht das: „I will make Schleswig-Holstein great again!“, dröhnt FDP- Zugpferd Wolfgang Kubicki in der Stadthalle Neumünster, nur viereinhalb Tage nach ...

So schnell geht das: „I will make Schleswig-Holstein great again!“, dröhnt FDP- Zugpferd Wolfgang Kubicki in der Stadthalle Neumünster, nur viereinhalb Tage nach Donald Trumps Wahl zum künftigen US-Präsidenten. Wird der „schmutzigste Wahlkampf der Neuzeit“ („Spiegel“) auf den Stil abfärben, in dem die Parteien vor der Landtagswahl zwischen Nord- und Ostsee am 7. Mai 2017 um Stimmen kämpfen?

 

LN-Bild

Von Lars Fetköter

Quelle:

Die Gefahr besteht durchaus. Trumps Triumph zeigt, dass eine Strategie des Pöbelns und Schimpfens aufs Establishment eine Menge Stimmen bringen kann, gleich, ob sie Fakten ignoriert oder sie passend hinbiegt. Seine wundersame Wandlung zum höflich säuselnden Herrn am Tag nach dem Sieg kann ein Vorbild sein für Wahlkämpfer, die sich im Moment des Erfolges an die auf dem Weg dorthin gegebenen Versprechen nicht mehr erinnern mögen.

Zu Besuch bei Barack Obama umschmeichelt Trump den im Wahlkampf beschimpften Präsidenten. Ein Wolf, der von der Kreide nascht? Oder einer, der ab jetzt gesittet und präsidial sein will? Auf Twitter beschimpft Trump die Proteste gegen seine Wahl als unfair und von den Medien angestachelt. Stunden später korrigiert er das: Er liebe die Tatsache, dass die Demonstranten Leidenschaft für ihr Land zeigten. Was schert ihn sein Geschwätz von gestern.

Wenden wir den Blick nach Schleswig-Holstein: Kubickis Abwandlung von Trumps wichtigstem Slogan ist keineswegs das Einläuten einer Schlammschlacht nach US-Vorbild, sondern ein ironischer Gag.

Gleichwohl: Auch die FDP muss sich des Vorwurfs erwehren, sie greife im Landtagswahlkampf zu unsauberen Tricks. Die Unbeliebtheitswerte von Ingbert Liebing, die ihn zur Aufgabe seiner CDU-Spitzenkandidatur bewogen haben, waren ein von den Liberalen bezahlter Teil einer Umfrage, der seinen Weg irgendwie von der Nord-FDP in die Öffentlichkeit gefunden hat.

Markante Äußerungen, die direkt auf die Person zielen und nicht auf den Inhalt, gibt es nicht nur in den USA, sondern auch in Schleswig-Holsteins Politik. SPD-Landeschef Ralf Stegner etwa nannte Liebing auf Twitter einen Miniatur-Seehofer von der Küste und teilt auch im Landtag gern scharf aus.

Subtiler aber wird es, wenn Personen abqualifiziert werden: Die „ehemals konservative Partei tauscht einfach einen Karrierepolitiker gegen den anderen aus“, ätzte Jörg Nobis, Landeschef und Spitzenkandidat der AfD, als Daniel Günther bei der Nord-CDU den zurückgetretenen Liebing ersetzte. Das ist billige Diffamierung ohne Rücksicht auf Fakten – ganz ähnlich, wie es bei Trump zu beobachten war.

Wahlkämpfe im nördlichsten Bundesland sind nicht immer von Fairness und Sachlichkeit geprägt gewesen. Die Wahrscheinlichkeit einer niveauvollen Auseinandersetzung erhält durch Trumps Wahlsieg eher einen Dämpfer, dessen Trumpf war die Emotion, nicht die Kraft und Schlüssigkeit der Argumente.

Welchen Weg schlagen Schleswig-Holsteins Parteien ein? Die Weichen werden jetzt gestellt.

Berichte Seiten 1 und 7

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kommentar
Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

Sollte das Fliegen von Drohnen am Strand verboten werden?

Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den Juli 2017.