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Wie anonym darf das Internet sein?

Ralf Stegner fordert: Wer im Netz hetzt, sollte sich bekennen. Wie anonym darf das Internet sein?

In einer Zeitung tragen die größeren Berichte einen Autorennamen — oder sie bekommen ein Kürzel. Das dient nicht der persönlichen Eitelkeit des Schreibers, sondern der Rückverfolgbarkeit.

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Von Curd Tönnemann

In einer Zeitung tragen die größeren Berichte einen Autorennamen — oder sie bekommen ein Kürzel. Das dient nicht der persönlichen Eitelkeit des Schreibers, sondern der Rückverfolgbarkeit. Der Autor der Berichterstattung ist ausfindig zu machen. Er steht zu dem, was er schreibt. Er stellt sich damit der Kritik.

Das Internet hat alles umgekrempelt. Dort wird geschrieben, gepostet, getwittert. Bei politischen Debatten wird gehetzt, verleumdet, beleidigt. Aber wer da schreibt, bleibt immer öfter im Dunkeln.

Viele Nutzer in sozialen Netzwerken verwenden ein Pseudonym. Und fühlen sich damit auf der sicheren Seite. Weil nicht zu erkennen ist, wer sich da äußert, wird das Netz zum rechtsfreien Raum.

Politiker können ein Lied davon singen. Auch die Medien, die mehr als einmal hinsehen müssen, was an Leserbrief-Post oder via Facebook-Seite ins Haus flattert. Gerade in Tagen, in denen die Flüchtlingskrise und die widerwärtigen Übergriffe von Köln und Hamburg kontrovers diskutiert werden.

Ralf Stegner, Landesvorsitzender der schleswig-holsteinischen Sozialdemokraten, hat jetzt eine Debatte darüber angestoßen, ob Verfasser politischer Botschaften im Internet sich nicht mit Namen — und am besten mit Bild — bekennen sollten. Stegner selbst ist Leidtragender. Nun mag man einwenden, Stegner gehe mit seinen Kontrahenten eben auch nicht immer zimperlich um. Der „rote Rambo“

polarisiert und polemisiert. Ihm deshalb in sozialen Netzwerken nach dem Leben zu trachten oder ihn und seine Familie aufs Übelste zu beschimpfen, das ist nicht nur dumm und geschmacklos. Das ist strafbar.

Deshalb ist es höchste Zeit für die Debatte, die Stegner angestoßen hat: Wie viel Anonymität im Internet ist mit einer Demokratie und freier Meinungsäußerung vereinbar? Die Frage, was von Facebook, Google und Co. im Internet an unerträglichem „Schmutz“ gelöscht werden sollte, damit es nicht ewig bleibt und in den Rang von Halbwahrheit aufsteigt, ist da nur der Anfang. Wer im Internet zum Umsturz unseres Staates aufruft, wer die NS-Schreckensherrschaft verherrlicht, wer Flüchtlingen die Würde des Menschen abspricht — und all das passiert — , der sollte den Mumm mitbringen zu schreiben, wer er ist.

Die Datenschützer führen die andere Seite der Medaille ins Feld. Das Telemediengesetz wolle ausdrücklich die anonyme oder pseudonyme Nutzung des Internets. Sie habe viele Vorteile. Die Datenschützer in Hamburg kämpfen derzeit für eine Netznutzerin, deren Konto wegen pseudonymer Nutzung von Facebook Irland zunächst gesperrt wurde. Gegen ihren Willen änderte das Unternehmen den Profilnamen schließlich vom Pseudonym in den wirklichen Namen der Betroffenen — weil die Firmenchefin Facebook nicht wie verlangt die Kopie ihres Personalausweises oder Reisepasses überließ! Auch darüber darf man sich zu Recht aufregen. Die Diskussion wird spannend.

LN

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