Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 0 ° Regenschauer

Navigation:
Zu Gast bei Freunden

Das Hansekultur- Festival bietet für jeden etwas. Zu Gast bei Freunden

Also sind wir mal ehrlich: Das Altstadtfest, das in Lübeck von 1975 bis 2010 alle zwei Jahre gefeiert wurde, war meistens vor allem eine große Party.

Also sind wir mal ehrlich: Das Altstadtfest, das in Lübeck von 1975 bis 2010 alle zwei Jahre gefeiert wurde, war meistens vor allem eine große Party. Es wurde gern und viel getrunken und lautstark gefeiert. Und ja, auch ich habe mit Anfang 20 mit der Band „Illegal 2001“ auf dem Markt ihren Hit „Nie wieder Alkohol“ gesungen. Und das hat Spaß gemacht. Aber was einem mit Anfang 20 Spaß macht, macht der Familie mit kleinen Kindern oder dem Seniorenpaar eben nicht so viel Freude. Und so war es kein Wunder, dass die große Sause irgendwann in die finanzielle Schieflage geriet und sich kein Betreiber mehr fand. Das Altstadtfest verschwand in der Versenkung, und so richtig vermisst hat es bisher kaum einer.

 

LN-Bild

Von Sven Wehde

Quelle:

Doch inspiriert durch die Hansetage 2014 setzt Lübeck an diesem Wochenende die Tradition des Altstadtfestes fort. Allerdings mit einem ganz neuen Konzept und einem neuen Namen: Hansekultur-Festival.

Bei dem Titel habe ich mir zuerst ein klein wenig Sorgen gemacht. Würde die Stadt jetzt in das andere Extrem verfallen, um sich abzugrenzen von den bierseligen Partys der Vergangenheit? Kommt jetzt die Hochkultur, bei der wir uns alle bei Lachs-Canapés mit Orangenbutter über maritime Aquarelle austauschen? Bei der wir andächtig lauschen, wenn das Streichquintett Werke von Brahms und Beethoven serviert? Nicht, dass das ein schlechter Zeitvertreib wäre, aber es wäre eben auch wieder nur ein Fest für eine bestimmte Zielgruppe gewesen. Und kein Fest für alle Lübecker.

Als ich gestern das erste Mal mit der Familie über den Koberg und durch die Große Burgstraße schlenderte, verschwanden diese Zweifel sofort. Seifenblasen schwirrten vor unseren Gesichtern, auf der einen Seite lautes Kinderlachen, als die vom Ball getroffenen Dosen scheppernd zu Boden fallen, auf der anderen Seite erklärt ein Maler seine Kunst. In der Breiten Straße gibt es eine klassische Bratwurst, am Koberg einen Bio-Snack. Wir hören auf der großen Bühne Musik zum Feiern und auf dem Hof der Ernestinenschule ein Konzert für Kinder. Den Veranstaltern ist ein Fest gelungen, das allen etwas bietet: Kindern, Senioren oder Familien; Feierbiestern und Kulturinteressierten.

Besonders schön ist, dass sich so viele Bürger und Lokale an dem Festival beteiligen. Das Bier gibt es nicht an dem Pilsstand einer großen Brauerei, sondern von der kleinen Kneipe, die ihre Tische rausgestellt hat. Und Kaffee und Kuchen werden von den Bewohnern der Ganghäuser serviert. Damit ist das Hansekultur-Festival nicht einfach ein neuer Anziehungspunkt für Touristen. Es ist vor allem ein Fest von Lübeckern für Lübecker. Ein Fest der Begegnungen und der Vielfalt, bei dem man nebenbei die kleinen Winkel seiner eigenen Stadt neu entdecken kann. Dieses Festival tut Lübeck gut. Alle zwei Jahre? Mindestens. Berichte Seiten 33 und 35

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kommentar
Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

Die FDP lässt Jamaika platzen: Was wäre nun Ihre bevorzugte Lösung?

Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den November 2017 zu sehen!