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Apple-Chef Tim Cook stemmt sich gegen die iPhone-Schwäche

Cupertino Apple-Chef Tim Cook stemmt sich gegen die iPhone-Schwäche

Über zehn Jahre lang hat Apple bei Umsatz und Gewinn zulegt. Doch nun ist der Wachstumsmotor iPhone ins Stottern geraten. Apple-Chef Cook sieht nur eine „Pause“ und keine Zeitenwende. Doch bevor die Zahlen wieder besser werden können, steht ein weiterer Rückgang bevor.

Cupertino. „Optimistisch“ war das Wort, das Apple-Chef Tim Cook besonders oft benutzte, nachdem er den ersten Umsatzrückgang in einem Quartal seit 2003 präsentieren musste.

Die Abkühlung des Smartphone-Marktes, von der das teure iPhone härter als manche Billig-Konkurrenz getroffen wird? „Das wird vorbeigehen.“ Die Konjunktur in China? „Stabiler, als behauptet wurde.“ Cooks Botschaft an die Anleger: Das vergangene Quartal, in dem Geräteverkäufe, Umsatz und Gewinn quer durch die Bank zurückgingen, war nur eine Episode und der Erfolgslauf von Apple wird weitergehen.

Das vorläufige Ende des seit 13 Jahren andauernden ununterbrochenen Wachstums-Marathons wurde von manchen Branchenbeobachtern schon lange vorhergesagt - und stattdessen konnte Apple bis heute dann doch immer wieder neue Bestwerte verkünden. Auch jetzt blieb auch nach einem Rückgang von über 22 Prozent noch ein Gewinn von 10,5 Milliarden Dollar in den Kassen hängen.

Im gesamten Geschäftsjahr 2003, in dem die Rekord-Serie begann, machte Apple noch 6,2 Milliarden Dollar Umsatz und aus heutiger Sicht lachhafte 69 Millionen Dollar Gewinn. Im jüngsten Quartal erzielte allein das Dienste-Geschäft etwa mit dem App Store oder Apple Music fast soviel Umsatz - und der gesamte Konzern erlöste gut 50 Milliarden Dollar. Wie steht es nun also um das wertvollste und profitabelste Unternehmen der Welt?

Zwei Abhängigkeiten bestimmen das Apple-Geschäft: Rund zwei Drittel der Umsätze bringt das iPhone ein. Und geografisch gesehen kommt rund ein Viertel der Konzernerlöse aus China. Läuft es an diesen Stellen nicht rund, schlägt das direkt ohne Knautschzone auf die Zahlen des gesamten Unternehmens durch.

Ein Problem von Apple ist auch, dass die aktuellen Ergebnisse den Vergleich mit einem außergewöhnlich starken Quartal antreten mussten. Vor einem Jahr waren die erstmals deutlich größeren iPhones der 6er-Serie noch frisch auf dem Markt - und die Apple-Kunden stiegen munter um. Die optisch unveränderten neuen 6S-Modelle konnten da dieses Jahr nicht mithalten, wie Apple-Chef Tim Cook freimütig zugab. Wäre die Upgrade-Rate jetzt so hoch wie damals, „wäre eine Riesen-Party fällig“, sagte Cook. „Es hätte einen gewaltigen Unterschied ausgemacht.“

Der Apple-Chef arbeitete hart daran, inmitten der Rückgänge die Zeichen der Hoffnung in der Vordergrund zu rücken. So seien in den vergangenen sechs Monaten so viele Nutzer von Geräten mit dem Google-System Android zum iPhone gewechselt wie noch nie. Und während der Absatz der Mac-Computer in einem ebenso schwachen PC-Markt um zwölf Prozent gefallen sei, habe die Hälfte der Käufer zum ersten Mal einen Apple-Rechner erworben. In China seien es sogar mehr als 80 Prozent gewesen. Und bei den iPhone-Zahlen müsse man auch bedenken, dass die Nutzerbasis in den vergangenen zwei Jahren um 80 Prozent gestiegen sei, argumentierte Cook.

Doch bevor sich die Zahlen in der Apple-Bilanz in einem besseren Konjunkturumfeld und mit neuen attraktiven Produkten wieder verbessern können, steht ein weiterer Rückgang bevor, der vermutlich härter als bislang erwartet ausfallen wird. Für das laufende Quartal sagt Apple nur noch einen Umsatz zwischen 41 und 43 Milliarden Dollar voraus, die Analysten hatten zuvor mit einem Wert von über 47 Milliarden Dollar gerechnet.

Insbesondere diese düstere Kurzfrist-Prognose setzte dann auch die Apple-Aktie unter Druck, die im vorbörslichen Handel um rund acht Prozent auf 96 Dollar absackte. Damit hat Apple über 40 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren, so viel wie der Gesamtwert von Firmen wie Netflix oder Caterpillar.

Um zu einem dauerhaften Wachstum zurückzukehren, kann Apple nicht mehr alleine auf die Attraktivität des iPhone setzen. Doch noch ist unklar, ob und in welcher Form die Kalifornier beispielsweise den Markt der Elektroautos mit einem „Apple Car“ aufmischen könnten. Aber auch bei bestehenden Produkten und Dienstleistungen hat das Unternehmen noch großes Wachstumspotential.

So hat Apple Music noch lange nicht den Marktführer Spotify eingeholt. Auch bei den boomenden Cloud-Diensten steht Apple mit seiner iCloud hinter Konkurrenten wie Google, Amazon und Microsoft. Mit diesen Aufgaben im eigenen Haus muss Apple-Chef Cook nicht auf eine bessere Weltkonjunktur warten, um wieder Rekordzahlen abliefern zu können.

dpa

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