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Kartendienst deutscher Autobauer vernetzt Fahrzeug-Sensoren

Autos sollen Daten austauschen Kartendienst deutscher Autobauer vernetzt Fahrzeug-Sensoren

Nach dem Kauf des Nokia-Kartendienstes Here bringen Audi, BMW und Mercedes-Benz die Daten von Sensoren in ihren Fahrzeugen zusammen, um die Fahrer besser über das Verkehrsgeschehen zu informieren. Die Branche sucht nach Antworten auf Datendienste von Google, Apple & Co.

Berlin. Der Kartendienst Here der Autobauer Audi, BMW und Daimler will vernetzte Fahrzeuge Daten ihrer Sensoren austauschen lassen. Dabei geht es unter anderem um Informationen zu Verkehrsfluss und Staus, Unfallstellen und Glatteis sowie Straßenschildern, wie das Unternehmen ankündigte.

Der Service soll im ersten Halbjahr kommenden Jahres zunächst mit Daten von Audi, BMW und Mercedes-Benz an den Start gehen. Die Informationen würden anonymisiert ausgewertet, hieß es.

Die Daten aus den Fahrzeugsensoren sollen auch für andere Hersteller und Diensteanbieter zugänglich sein. Zudem könnten auch diese ihre Informationen in die Plattform einbringen. Geplant sei ein Modell mit einer Kompensation für deren Beitrag, sagte Here-Manager Christof Hellmis.

Unter anderem Volvo führte bereits einen ähnlichen Cloud-Dienst für Fahrer seiner Autos ein. Die Daten kommen in die Here-Plattform aus Cloud-Services der einzelnen Hersteller. Sie seien recht gut miteinander kompatibel, auch wenn es im Detail Unterschiede gebe.

Die drei deutschen Autokonzerne hatten Here im vergangenen Jahr für rund 2,6 Milliarden Euro dem Telekom-Ausrüster Nokia abgekauft, um eine eigene Plattform für ortsbezogene Dienste und präzise Karten für künftige selbstfahrende Fahrzeuge zu entwickeln. Es ist eine für bisherige Verhältnisse relativ ungewöhnliche Kooperation konkurrierender Hersteller.

Doch das Vordringen der Smartphones ins Auto setzt die Industrie unter Druck. Verbraucher wollen die gewohnten Dienste und Apps auch in den Fahrzeugen nutzen. „Sie kaufen kein Auto mehr, wenn sie ihr Smartphone nicht vernetzen können“, betont Branchenexperte Axel Schmidt von der Unternehmensberatung Accenture. Laut einer Studie des Unternehmens sei für zwei Drittel der Verbraucher die Einbindung des Smartphones mittlerweile wichtiger als die Fahrleistung.

Apple bietet Herstellern für die Integration von iPhones im Auto die Plattform Carplay an und Google hat das Pendant Android Auto für Smartphones mit seinem Betriebssystem. Beide Anbieter haben auch eigene Kartendienste, die mit der eingebauten Software der Autos konkurrieren. „Die Frage ist, werden zwei Ökosysteme nebeneinander im Auto überleben? Ich glaube: Nein“, sagte Schmidt. „Dieses Spiel ist aber noch nicht entschieden.“

Here erklärt, die Daten des neuen Angebots könnten auch in verschiedene Smartphone-Apps integriert werden. Diese könnten dann zum Beispiel auch über Android Auto oder CarPlay im Fahrzeug laufen.

Zum Start mit Autos der drei Hersteller würden einige hunderttausend Fahrzeuge an dem Datenaustausch teilnehmen, sagte Hellmis. „Damit wird der Service von Beginn an relevant sein.“ Da immer mehr aktuelle Modelle vernetzt seien, dürfte die Millionen-Marke schnell erreicht werden. Der Dienst solle zunächst in Europa starten und dann relativ schnell auch in Nordamerika eingeführt werden.

Für den Informationsaustausch werden Daten unter anderem von Regen- und Beschleunigungssensoren hinzugezogen, Straßenschilder werden von Kameras erfasst. Neben der Warnung vor Stauenden sollen die Fahrer auch Empfehlungen zu Parkmöglichkeiten erhalten, die zunächst aber eher auf Basis von früheren Daten und Parkhaus-Informationen berechnet werden.

Nach Einschätzung von Experten kann man das Verkehrsgeschehen schon mit Daten von rund zehn Prozent der Fahrzeuge recht gut abbilden. Zugleich könne der Austausch über eine Plattform wie die von Here Herstellern helfen, auch in Regionen, in denen sie schwächer auf der Straße vertreten seien, ortsbezogene Dienste in ihre Autos zu bringen.

Die drei deutschen Autobauer hatten von Beginn an erklärt, dass Here auch für weitere Partner offenstehe. Bisher wurden keine bekannt. Hellmis rechnet damit, dass es weitere Plattformen zum Datenaustausch geben werde. „Wir hoffen, mit unserem Angebot eine führende Position einnehmen zu können.“

dpa

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