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Mobilitäts-Apps: Schwieriger Weg zum simplen Fahrkarten-Kauf

Stuttgart Mobilitäts-Apps: Schwieriger Weg zum simplen Fahrkarten-Kauf

Daimler verkauft Autos - das soll auch in Zukunft so sein. Oder? Doch, doch - auf PS-starke Luxusschlitten dürfte der Stuttgarter Konzern weiter setzen. Aber auch in anderen Bereichen der Mobilität will man ein Standbein haben, wie das Beispiel Moovel zeigt.

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Verkehrs-Apps wie Moovel sollen mit ein paar Klicks die schnellste Route von A nach B liefern.

Quelle: Nikolai Huland

Stuttgart. Es kann doch so einfach sein. Eine App, ein paar Klicks - und fertig ist die schnellste Route von A nach B.

Doch für solche Routen greifen viele Apps nur auf einen relativ kleinen Datenpool zurück, einen kompletten Überblick über verschiedene und auch billigere Verkehrsmittel inklusive Gesamt-Ticket bekommt der Smartphone-Nutzer nicht. Und so muss der Nutzer häufig von App zu App wechseln, um genau Bescheid zu wissen oder gleich mehrere Fahrkarten zu kaufen - ein mühsames Unterfangen.

Das soll sich ändern: Unternehmen wie Daimler und die Deutsche Bahn bieten über Konzerntöchter Applikationen an, die Infos verschiedener Verkehrsträger auf einer Plattform bündeln. Sie zeigen Routen auf mit dem Zug, Bus, mit U-Bahnen, Miet- und Carsharing-Fahrzeugen sowie Miet-Fahrrädern und - im Falle von Qixxit - gar mit dem Flugzeug.

Die Apps sind Antwort auf veränderte Verkehrsgewohnheiten der Bürger. „Sharing Economy“ ist angesagt, also eine verstärkt gemeinschaftliche Nutzung von Verkehrsmitteln - etwa beim Carsharing. „Der Markt hat sich dramatisch gewandelt“, sagt Robert Henrich, Chef von Moovel, das zu Daimler gehört. „Es gilt jetzt, Antworten zu finden für morgen und Partnerschaften zu schließen mit dem Nahverkehr und anderen Unternehmen, um gemeinsame Wege zu finden, damit wir die Mobilität intelligenter organisieren können.“

Ende 2015 ließ sich sogar Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann bei einem Moovel-Termin blicken - damals stellte die Firma die Erweiterung ihrer Ticketfunktion auf den Stuttgarter Nahverkehr vor. Der Grünen-Politiker gilt nicht als großer Daimler-Fan - er wünscht sich weniger dicke Autos im Feinstaub-belasteten Stuttgarter Straßenverkehr. „Ich bin nicht hier, um einem einzelnen Unternehmen zuzuarbeiten“, sagte Hermann. „Sondern um einer neuen Sichtweise zur Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen, weil das wirklich sehr innovativ ist.“

Neben Hermann saß Stefanie Haaks, Kaufmännische Vorständin der Stuttgarter Straßenbahnen AG, die sich aus der Kooperation mit Moovel viel verspricht: „Wir sehen eine ganz große Chance für uns durch diese App, den seltenen Gelegenheitsnutzer als Kunden gewinnen zu können.“ Außer in Stuttgart sind in Deutschland übrigens noch keine anderen Nahverkehrs-Strecken im Moovel-Ticket enthalten. Immerhin: Bei Qixxit sind U-Bahnen noch gar nicht integriert in den Ticketkauf, sondern sie werden nur für als Informationen zur Route angezeigt.

Klar ist: Die Branche ist noch klein - so klein, dass niemand gern über Zahlen spricht. Der Umsatz sei „nicht der Hauptfokus“, antwortet Moovel-Chef Henrich ausweichend auf die Frage nach Zahlen. Bekannt ist nur, dass 80 Beschäftigte für Moovel in Deutschland tätig sind. Wie viele Downloads es seit dem Start 2012 gab? Keine Antwort.

Wettbewerber Qixxit ging 2014 an den Start, seither gab es 300 000 Downloads der App. Ob die Bahn-Tochter mit ihren 12 Mitarbeitern profitabel sei? Qixxit sei „eine Investition in die Zukunft“, antwortet Chefin Friederike Aulhorn. „Der gesellschaftliche Trend entwickelt sich weg vom Eigentum und hin zum Sharing.“ Dienstleistungen wie Qixxit seien nötig, damit Menschen ihr Reiseverhalten flexibler gestalten können. Ein weiterer Konkurrent ist das Berliner Start-up Waymate, das die App Allryder anbietet.

Mal angenommen, Moovel startet durch - würde sich Daimler damit nicht letztlich ins eigene Knie schießen? Schließlich könnten bisherige Mercedes-Kunden dank Moovel auf den Geschmack kommen, dass Nahverkehr, Carsharing oder Mietwagen ihnen ausreichten - und sie dann eben keinen neuen Benz kaufen. Peter Fuß von Ernst & Young schüttelt den Kopf. Es sei logisch, dass Daimler auf Moovel setzt. „Dem Unternehmen ist klar: Nur noch Anbieter von Premiumautos zu sein, das reicht nicht mehr.“

Für die jüngere Generation sei das Auto nicht mehr so das Statussymbol, wie dies noch bei Älteren der Fall sei, sagt Autoexperte Fuß. „Also setzt Daimler auf eine Premium-Mobilitäts-App, um die Jüngeren als Kunden zu binden.“ Den Wandel im Verkehrsbereich wolle Daimler mitgehen und dadurch seine Zukunft sichern.

Lynn-Kristin Thorenz vom Beratungsunternehmen International Data Corporation (IDC) hält Investitionen in Mobilitäts-Apps von Firmen wie Daimler oder der Bahn ebenfalls für sinnvoll: „Abzuwarten und wenig oder gar nichts zu tun, [...] wäre schädlich.“ Die digitale Transformation mache vor keinem Industriezweig halt - dass dennoch jede zweite deutsche Firma nichts oder wenig tue, um sich darauf einzustellen, hält Thorenz für völlig unverständlich.

dpa

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