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„Pokémon-Go“-Fieber erreicht Deutschland

Berlin/Lübeck „Pokémon-Go“-Fieber erreicht Deutschland

Einen solchen Wirbel um eine Smartphone-App gab es schon lange nicht mehr. Seit Mittwoch ist „Pokémon Go“ nun auch in Deutschland verfügbar. Innerhalb weniger Stunden zogen bereits zahlreiche Menschen auf der Suche nach virtuellen Monstern durch die Straßen.

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Erwischt: Ein Monster namens „schiggy“ vor dem Holstentor.

Quelle: Olaf Malzahn

Berlin/Lübeck. Seit Tagen grassiert es wie ein Virus, am Mittwoch hat das „Pokémon“-Fieber auch Deutschland erreicht. Nun trifft man in Berlin und andernorts an vielen Ecken große und kleine Spiele-Enthusiasten, die mit ihrem Smartphone in den Straßen und Parks auf Monster-Suche gehen. Rund eine Woche war das Spiel nur in den USA, in Kanada und Australien verfügbar. Seit Mittwoch gibt es die App offiziell auch hierzulande in den Download-Plattformen von Apple und Google.

Eine für das Wochenende angesagte Demo in der Hauptstadt konnte unterdessen abgesagt werden. Rund 2500 frustrierte Spielfans hatten auf die Straße gehen wollen, um einen schnelleren Marktstart auch in Deutschland zu fordern. Der Entwickler Niantic Labs hatte die internationale Markteinführung vergangene Woche verlangsamt, da unter der Last der Anfragen die Server teils überlastet waren.

Seit Mittwoch ist „Pokémon Go“ nun auch in Deutschland verfügbar. Innerhalb weniger Stunden zogen bereits zahlreiche Menschen auf der Suche nach virtuellen Monstern durch die Straßen.

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Mit der App haben die Nintendo-Beteiligung Pokémon Company und der ehemals zu Google gehörende Entwickler Niantic Labs einen Volltreffer gelandet. „Pokémon Go“ greift auf den Aufenthaltsorts der Nutzer zu und blendet bei aktivierter Kamera auf dem Smartphone-Bildschirm in die reale Umgebung Monster-Figuren und Sammelstationen ein. Ob am Brandenburger Tor, entlang des Verlaufs der ehemaligen Berliner Mauer oder am Alexanderplatz - überall finden die Spieler Stationen, an denen sie Bälle für das Fangen der Monster einsammeln können. Und sollte ein „Pokémon“ in der Nähe sein, macht das Smartphone mit Vibration darauf aufmerksam.

Wie Trophäen posten inzwischen Trendläden und Veranstaltungsorte sowie Privatepersonen die Funde von Knuddelmonstern in ihrer Nähe auf Twitter. „Erstes Pokémon in unserem Store entdeckt und gefangen!“, twitterte etwa ein Babyladen in Berlin-Schöneberg. Im Hauptquartier der Deutschen Börse wurde ebenfalls ein Pokémon erspäht und das Beweisbild auf Twitter veröffentlicht. Auch die Messe Stuttgart zeigt sich stolz: „Das Gelände der #MesseStuttgart ist voll mit #PokemonGo! Hier die Mittagspausen-Erfolge unserer #Pokémon-Trainer“, heißt es auf dem Kurzmitteilungsdienst. Auf Facebook wollen Fans aus Berlin über eine „Pokémon-Go“-Gruppe gemeinsame auf die Jagd gehen.

Hierzulande konnten es viele Nutzer nicht abwarten, bis das Spiel auch für sie verfügbar ist, und behalfen sich mit kleinen Tricks. So konnte die nötige Software mit einem Kniff auch am Google Play Store vorbei auf das Android-Handy oder über den amerikanischen App Store von Apple auf das iPhone installiert werden. Auf der Android-Plattform hatten sich allerdings zum Teil auch Cyberkriminelle dazwischengeschaltet und manche Angebote mit Spionage-Software infiziert.

Der Hype um das Spiel wirft auch ethische Fragen auf. Bereits am Mittwoch wurden Klagen über „Pokémon“-Spieler laut, die Friedhöfe, Gedenkstätten oder Krankenhäuser zum Spielfeld erklärten. Ein Sprecher der KZ-Gedenkstätte Auschwitz bezeichnete die Möglichkeit, auch dort „Pokémon“ zu fangen, als „absolut unangemessen“ und sagte der „New York Times“, man habe die Entwickler des Spiels kontaktiert.

Der ADAC warnte, plötzlich auf der anderen Straßenseite auftauchende Monster könnten Fußgänger dazu animieren, über die Straße zu laufen, ohne auf den Verkehr zu achten. Eltern empfiehlt der Automobilclub, das Spiel mit ihren Kindern gemeinsam auszuprobieren und auf Probleme hinzuweisen. Im US-Bundesstaat Texas ereignete sich bereits ein Auffahrunfall. Ein Autofahrer parkte sein Auto regelwidrig auf einer Straße und ging auf Monstersuche, unterdessen fuhr ein anderes Auto von hinten auf.

Auch wenn die Entwickler sich viel von dem neuartigen Spiel versprachen haben, dürften sie von dem Hype, der weltweit in kürzester Zeit losbrach, noch überrascht worden sein. Inzwischen scheinen die Betreiber die nötige Infrastruktur im Griff zu haben, über größere Ausfälle wurde zunächst nichts bekannt. Dem Spiele-Publisher Nintendo bescherte der Erfolg einen satten Kurssprung an der Börse, die App an sich kostenlos ist. Geld soll erst über zusätzliche virtuelle Güter hereinkommen, die Nutzer während des Spiels erwerben können. Außerdem will Nintendo ab Ende Juli auch ein Armband verkaufen, das Spieler auf „Pokémon“ in der Nähe hinweist.

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