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Streit um das schnelle Internet

Bonn Streit um das schnelle Internet

Zwischen der Deutschen Telekom und ihren Wettbewerbern tobt seit Monaten ein erbitterter Streit über das schnelle Internet. Vectoring oder Glasfaser? Es geht um den Einsatz einer neuen Technik auf alten Netzen und die Hoheit über Tausende von Vermittlungsstellen.

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Auf der CeBIT 2014 stellte die Telekom die Vectoring-Technologie in Hannover vor (Archivbild).

Quelle: Friso Gentsch

Bonn. Internetnutzer haben nur ein Interesse: Schnell soll es gehen, wenn Daten durchs Internet rauschen, und bequem muss das Surfen sein. Doch das geht nur, wenn entsprechende Netze geknüpft und auf Tempo getrimmt sind.

In rund 8000 Hauptvermittlungsstellen will die Telekom die sogenannte Vectoring-Technik installieren und für neue Überholspuren auf dem Daten-Highway sorgen. Doch das funktioniert nur, wenn andere draußen bleiben. Die Wettbewerber sprechen von Remonopolisierung und drohen mit dem Gang zum Bundesverfassungsgericht.

Was überhaupt ist Vectoring?

Die Technik ermöglicht kostenschonend die Aufrüstung bestehender VDSL-Leitungen, ohne dass neue Kabel verlegt werden müssen, wie es bei Glasfaser der Fall ist. Das spart enorme Investitionsausgaben. Zudem kann das Ziel der Bundesregierung, jedem Haushalt in Deutschland bis Ende 2018 einen Internetanschluss mit Übertragungsgeschwindigkeiten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde zu bieten, kurzfristig umgesetzt werden. Mit Vectoring wird sogar das doppelte Tempo möglich. Der Nachteil dieser Technik besteht darin, dass sie in den Schaltpunkten nur einmal aufgebaut werden darf.

Müssen die Wettbewerber die Vermittlungsstellen räumen?

Ja, überwiegend. Nur in Nahbereichen, in welchen ein Konkurrent der Telekom dominierend ist, kann sich dieser nach dem Entwurf der Bundesnetzagentur für die exklusive Nutzung und den Aufbau von Vectoring im Hauptverteiler bewerben. In Frage kommen Anbieter mit einer starken lokalen Verankerung wie Netcologne in Köln oder Ewetel in Oldenburg. Beide hatten der Bundesnetzagentur Investitionszusagen zum Ausbau des Nahbereichs gegeben.

Wer den Hauptverteiler dann künftig exklusiv mit Vectoring ausrüstet, muss allen anderen Anbietern ein Vorleistungsprodukt bereitstellen. Denn diese können ihren Kunden durch den Rauswurf keine schnellen Anschlüsse mehr bieten. Das ist auch die Hauptkritik: Statt auf Glasfaser zu setzen, wolle die Telekom wieder ein Monopol aufbauen und den letzten Cent aus den längst abgeschriebenen Kupferleitungen herauspressen, kritisiert der Branchenverband VATM.

Was fordert die Telekom-Konkurrenz?

Vor allem einen Schutz ihrer Investitionen in Glasfasernetze. Vectoring würde solche Anstrengungen untergraben, heißt es. Das Bundeskartellamt warnte schon 2013: Die Behörde sehe die Gefahr, dass die Technik einer weiteren Schwächung von Infrastrukturwettbewerb Vorschub leisten könnte, hieß es in einer Stellungnahme zu einer früheren Entscheidung der Bundesnetzagentur. „Ein zukunftsträchtiger Glasfaserausbau wäre nicht mehr möglich“, sagte der Präsident des Bundesverbands Breitbandkommunikation, Norbert Westfal, erst vor wenigen Tagen. Zugleich drohte er mit Verfassungsbeschwerde und verwaltungsrechtlichen Schritten.

Welche Argumente führt die Telekom ins Spiel?

Telekom-Chef Tim Höttges betont immer wieder, dass es dem Unternehmen nicht um den Ausschluss von Konkurrenz oder gar eine Remonopolisierung der Netze gehe. Im Vordergrund stehe vielmehr das Ziel, den Kunden schnelle Internetanschlüsse zu bieten - und zwar kurzfristig. Vectoring sei „ein Booster“ für das Kupferkabel und mit ihr gehe eine ausgereifte Technik am Start, die das Netz bis zu viermal schneller mache.

Betroffen in den Hauptverteilern seien zudem nur 1,5 Prozent oder 135 000 angemietete Leitungen der Wettbewerber. Aber fast 6 Millionen Haushalte in Ballungsgebieten und ländlichen Regionen ließen sich durch den Vectoring-Ausbau an das schnelle Internet anschließen. Auch die Konkurrenz werde vom Ausbau profitieren.


Deutsche Telekom: Vectoring - Booster fürs Kupferkabel
Netzpolitik.org: Telekom-Wettbewerber überlegen Verfassungsbeschwerde

dpa

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