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USA: Als Held gefeierter „WannaCry“-Bezwinger festgenommen

Schadsoftware entwickelt? USA: Als Held gefeierter „WannaCry“-Bezwinger festgenommen

Vor knapp drei Monaten war der IT-Experte Marcus Hutchins als ein Held gefeiert worden, der die weltweite Ausbreitung des Trojaners „WannaCry“ stoppte. Doch nun wurde er von US-Ermittlern festgenommen, die ihn für den Entwickler einer anderen Schadsoftware halten.

Der Trojaner „WannaCry“ hatte im Mai 300 000 Computer in 150 Ländern befallen, unter anderem auch Anzeigetafeln.

Quelle: Jan Woitas

Washington. Der IT-Experte, der im Mai den verheerenden Trojaner „WannaCry“ stoppte, ist in den USA festgenommen worden.

Das FBI wirft dem Briten Marcus Hutchins vor, er sei vor über drei Jahren an Entwicklung und Verbreitung der Schadsoftware „Kronos“ beteiligt gewesen.

Sie war dazu gedacht, Login-Daten im Online-Banking abzugreifen. In der am späten Donnerstag veröffentlichten Klageschrift wird auch ein Mittäter aufgeführt - dessen Name allerdings durchgehend geschwärzt ist.

Hutchins wurde am Mittwoch auf der Rückreise von den IT-Sicherheitskonferenzen Defcon und Black Hat in Las Vegas festgenommen, die von vielen Hackern besucht werden. Die letzten Tweets von seinem Account „@MalwareTech“ setzte er vom Flughafen ab, danach war Funkstille. Hutchins arbeitet in Großbritannien für die IT-Sicherheitsfirma Kryptos Logic.

Bei der explosiven globalen Ausbreitung des Erpressungstrojaners „WannaCry“ Mitte Mai entdeckte Hutchins als erster eine Art „Ausschaltknopf“ in der Software. Es war ein glücklicher Zufall, wie er später selbst einräumte.

Der Trojaner hatte im Mai 300 000 Computer in 150 Ländern befallen, verschlüsselte Daten auf den Rechnern und forderte Lösegeld. Auf jedem neuen Computer versuchte die Software zunächst, sich mit der Adresse „iuqerfsodp9ifjaposdfjhgosurijfaewrwergwea.com“ zu verbinden. Solange sie nicht im Netz aktiv war, verschlüsselte das Programm den Rechner. Aber „WannaCry“ war eher ungewöhnlicherweise auch darauf programmiert, den Computer in Ruhe zu lassen, wenn sich die Domain zurückmeldete.

Hutchins registrierte den Domainnamen und dieser Schritt würgte die Attacke ab. „Also kann ich zu meinem Lebenslauf hinzufügen: „Habe durch Zufall eine internationale Cyber-Attacke gestoppt“, schrieb er damals bei Twitter. Hutchins hatte danach zunächst versucht, anonym zu bleiben, aber sein Name wurde schnell öffentlich.

„WannaCry“ hatte unter anderem die Arbeit mehrerer Krankenhäuser in Großbritannien, Fahrplan-Anzeigen bei der Deutschen Bahn und die Produktion in mehreren Renault-Werken gestört.

Der Trojaner „Kronos“ tauchte zum ersten Mal im Sommer 2014 auf. Die US-Ermittler werfen Hutchins vor, er habe die Schadsoftware geschrieben. Der Komplize, dessen Name geheimgehalten wird, habe sie im August 2014 für 3000 Dollar im Internet zum Kauf angeboten. Im Jahr darauf hätten sie „Kronos“ aktualisiert und über die Darknet-Plattform „AlphaBay“ in verborgenen Bereichen des Netzes zum Kauf angeboten. „AlphaBay“ war jüngst in einer gemeinsamen Aktion amerikanischer und europäischer Ermittler ausgehoben worden.

Auf die genaue Basis für die Vorwürfe gingen die Behörden in der Klageschrift nicht ein. In der US-Plattform für Gerichtsunterlagen sind die Dokumente zu dem Fall noch unter Verschluss. Lediglich das Justizministerium veröffentlichte mit seiner Mitteilung die geschwärzte Version der Klageschrift.

Die US-Website „Motherboard“ berichtete, besorgten Freunden von Hutchins sei es nicht gelungen, mit ihm nach der Festnahme Kontakt aufzunehmen. Seine Mutter sagte der BBC, sie halte es für „extrem unwahrscheinlich“, dass ihr Sohn hinter „Kronos“ stecke, weil er „enorm viel Zeit und auch seine Freizeit“ damit verbringe, solche Attacken zu stoppen. Kurz nach dem Bekanntwerden von „Kronos“ im Juli 2014 hatte „@MalwareTech“ bei Twitter nach einem Muster davon gefragt. Auch mehrere Kollegen äußerten im Magazin „Wired“ Zweifel daran, dass Hutchins in die Entwicklung von Schadsoftware verwickelt sein könnte.

dpa

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