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Wie steht es mit dem Breitband-Ausbau in Deutschland?

Viele Herausforderungen Wie steht es mit dem Breitband-Ausbau in Deutschland?

Eine schnelle Internet-Infrastruktur ist einer der wesentlichen Grundpfeiler für die digitale Zukunft - darüber sind sich die Länder in Europa einig.

Glasfaserkabel: Bis in jedem Haus in Deutschland Glasfaser zu haben sein wird, könne es sogar 20 Jahre dauern, sagt ein Experte.

Quelle: Daniel Reinhardt

Berlin. Eine schnelle Internet-Infrastruktur ist einer der wesentlichen Grundpfeiler für die digitale Zukunft - darüber sind sich die Länder in Europa einig. Auf dem Digitalgipfel in Tallinn steht der Ausbau von schnellen Breitband-Netzen ganz oben auf der Agenda. Doch wie ist es damit in Deutschland bestellt?

Wo steht Deutschland aktuell beim Breitband-Ausbau?

Im Vergleich etwa zu Estland oder Finnland oder etlichen Ländern in Asien nimmt Deutschland beim Breitband-Ausbau keine Vorreiterrolle ein. Stand Sommer 2017 waren hierzulande 76,9 Prozent aller Haushalte mit Breitbandleitungen von mindestens 50 Mbit pro Sekunde ausgestattet - das ermittelte der TÜV Rheinland im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur für den Breitbandatlas. Geschwindigkeiten über 50 Mbit/s, die in anderen Ländern bereits gang und gäbe sind, wurden erst gar nicht erfasst. In Deutschland sind vor allem ländliche Gemeinden im Unterschied zu Großstädten deutlich abgehängt. Hier verfügen lediglich 40,5 Prozent der Haushalte über schnelle Leitungen.

Was sieht der Plan zum Breitband-Ausbau aus?

Die bisherige Bundesregierung hatte 2014 in der Digitalen Agenda das Ziel festgelegt, alle Haushalte bis spätestens 2018 mit Breitbandleitungen von mindestens 50 Mbit pro Sekunde auszustatten. Seit 2015 fördert die Bundesregierung mit einem milliardenschweren Programm den Ausbau. Darüber erhalten auch unterversorgte Kommunen Unterstützung für ihre Ausbauprojekte. In manchen Regionen gibt es teilweise aber noch großen Nachholbedarf: Dazu gehören Teile der Eifel, des oberbergischen Kreises, das ländliche Umfeld von Freiburg im Breisgau und größere Gebiete um den Bayerischen Wald, im südlichen und östlichen Sachsen sowie vor allem in weiten Teilen von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.

Reicht das Ziel der Digitalen Agenda überhaupt?

Das Ziel war kaum gesteckt, schon galt es für viele längst überholt. Wer heute sein Smart Home einrichtet, in seinem WLAN Musik hört, über das Internet telefoniert und per Streamingdienste wie Netflix Videos schaut, kann mit einer Leitung von 50 Mbit/s schnell an die Grenzen stoßen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte bereits im Sommer, dass man längst „im Gigabit-Bereich denken“ müsse, wenn man es mit dem Internet der Dinge, dem autonomen Fahren oder der Telemedizin ernst nehmen wolle. Neben den Bandbreiten spielen hier auch kurze Netzreaktionszeiten („Latenz“) eine Rolle.

Wo liegen die größten Herausforderungen?

In sehr vielen Ecken Deutschlands gibt es für den Datenaustausch nach wie vor lediglich langsame Kupferleitungen. Ohne den zügigen Ausbau von Glasfaser-Leitungen dürfte sich der rasant wachsende Bedarf kaum decken lassen. Doch das ist teuer - und kostet Zeit. Bis in jedem Haus in Deutschland Glasfaser zu haben sein wird, könne es sogar 20 Jahre dauern, sagte kürzlich Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom. Die Deutsche Telekom verfolgt deshalb die Strategie, die alten Kupferleitungen auf der „letzten Meile“ mit dem sogenannten Vectoring aufzupeppen.

Was ist Vectoring?

Wenn über herkömmliche Kupferleitungen verschiedene Signale geleitet werden, treten Störungen oder Überblendungen auf. Diese können mit dem technischen Verfahren des Vectorings verringert werden. So lassen sich Übertragungsleistungen bis zu 250 Mbit/s erreichen. Die Deutsche Telekom bindet inzwischen die grauen Verteilerkästen am Straßenrand häufig per schneller Glasfaser an. Auf den letzten Metern in die Häuser und Wohnungen fließen die Daten in der Regel über die alten Kupferdrähte.

Wie stehen die Wettbewerber der Telekom dazu?

Übergangstechnologien wie das Vectoring sind aus Sicht der Telekom-Wettbewerber nicht zukunftsfähig und genügen schon heute nicht den Anforderungen für ein schnelles Netz. Zudem fürchten sie Wettbewerbsnachteile, da bei dem technisch recht aufwendigen Vectoring-Verfahren nur ein Anbieter die Kontrolle über die verschiedenen Datenströme in der Leitung haben kann - in der Regel die Telekom. Die Verbände fordern von der Bundesregierung mehr Anreize und ein klares Konzept für den Ausbau von Gigabit-Netzen.

80 Prozent der heute verfügbaren Glasfaserleitungen sind den Verbänden zufolge von den Telekom-Wettbewerbern aufgebaut worden. Inzwischen gibt es neben den Kabelnetz-Betreibern bundesweit auch zahlreiche regionale Anbieter, die schnelle Glasfaserleitungen anbieten - und der Telekom die Kunden streitig machen.

Wie geht es weiter?

Zu einem großen Sprung setzen derzeit die Anbieter im Mobilfunk an. Der neue Standard 5G verspricht eine bis 100 mal höhere Datenrate als heutige LTE-Netze, also bis zu zehn Gigabit pro Sekunde, sowie eine rund 1000fach höhere Kapazität.

In Tallin zeigten am Freitag aktuell Bosch und Nokia erstmals eine Installation für die Maschinenkommunikation, bei der Fabrikanlagen und Sensoren über ein 5G-Netz Daten in Echtzeit austauschen. Der Chiphersteller Intel demonstriert mit den Partnern Ericsson und dem finnischen Telekom-Konzern Telia, wie eine 5G-Verbindung auf einer Passagierfähre das Schiff und die Fahrgäste im Hafen mit Internet versorgt.

dpa

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