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109 Millionen extra: Trasse zum Belttunnel wird zur Superschiene

Puttgarden/Berlin 109 Millionen extra: Trasse zum Belttunnel wird zur Superschiene

Was für ein Paukenschlag: Die gesamte Hinterlandanbindung zum Fehmarnbelttunnel soll zur Hochgeschwindigkeitstrasse für Personenzüge werden. So hat es der Haushaltsausschuss des Bundestags beschlossen – und 109 Millionen Euro dafür bereitgestellt.

Puttgarden/Berlin. Die Deutsche Bahn teilte am Donnerstag mit, sie habe den 55 Kilometer langen Abschnitt, auf dem eine gänzlich neue Trasse entsteht, bereits einer ersten Machbarkeitsstudie für Tempo 200 unterzogen. „Wenn der Bund das Geld dafür locker macht, sind wir die Letzten, die sich bei einem Ausbau auch der übrigen Abschnitte querlegen“, so eine Bahnsprecherin. Für Land und Anlieger-Kommunen wäre das eine finanzielle Entlastung.

Der Abstand der beiden Gleise wird etwas größer, die elektrischen Oberleitungen sehen anders aus, die Fahrtzeit verkürzt sich um einige Minuten. Für die betroffenen Kommunen aber ist entscheidend: Auf einer Hochgeschwindigkeitstrasse darf es keine höhengleichen Bahnübergänge geben. An deren Aus- und Umbau sollten Land und Kommunen beteiligt werden. Das scheint vom Tisch. Bei einer Zuggeschwindigkeit von mehr als 160 km/h müssen die Bahnübergänge zwingend durch Brücken- und Tunnel ersetzt werden – und nur der Bund zahlt. „Wir würden es als Kreis sehr begrüßen, wenn die Kostenbeteiligung der Kommunen wegfällt“, sagte Ostholsteins Regionalplaner Horst Weppler. Im Kieler Verkehrsministerium traut man dieser Botschaft noch nicht ganz. „Wir freuen uns, dass auch der Bund die 200- km/h-Variante für die Hinterland schiene präferiert“, sagte Staatssekretär Frank Nägele trotzdem.

„Wir wollen dem Schienenverkehr eine Zukunft geben. Deshalb muss sich die Schiene bei den Transportgeschwindigkeiten künftig zwischen Auto und Flugzeug bewegen“, begründete CDU-Bundestagshaushalter Norbert Brackmann die Entscheidung für Tempo 200. Im Bundesverkehrswegeplan war bislang festgeschrieben, dass Personenzüge auf der Belt-Schiene höchstens 160 km/h fahren dürfen. Bettina Hagedorn (SPD, Foto) rechnet zwar damit, dass die Planung nun teurer und umfangreicher wird. „Aber Qualität und Akzeptanz der Strecke sind wichtiger als schnelles Bauen.“ Die Zustimmung des Bundestags gilt als Formsache.

Ob sich die Bahn letztlich darauf einlässt, die gesamte Beltschiene zur Schnellfahrstrecke zu machen, ist dennoch offen. Denn es gibt kritische Bereiche, etwa Bad Schwartau. „Wir warten auf Details von unserem Auftraggebers, dem Bundesverkehrsministerium“, erläuterte Bahnsprecherin Maja Weihgold. Natürlich werde es jetzt teurer. Brackmann: „Wir schreiben nichts vor, stehen für einen Gesamtausbau der Strecke aber finanziell gerade.“ Welche Abschnitte tatsächlich für Tempo 200 realisiert werden, sollten Dialogforum und Planer entscheiden. Wenn die Bahn am Ende allerdings eine Billig-Lösung vorschlägt, werde die Politik erneut Gespräche führen, drohte Hagedorn.

Der Beschluss der Haushalter ändere nichts an einer „völlig verkorksten Planung“, sagt der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz. Kerstin Fischer von der Bürgerinitiative „Ratekau wehrt sich“ spricht von Tricksen und Täuschen. „Kritikern wurde das Projekt durch langsamere und leisere Züge schmackhaft gemacht.“ Fischer verlangt jetzt Lärmschutz, „der über das gesetzliche Maß hinausgeht“.
Die Dänen planen auf ihrer Hinterlandanbindung ohnehin seit langem mit Tempo 200, und zwar durchgängig von Ringsted bis zum Fehmarnbelttunnel. Ausgenommen sind lediglich kurze Abschnitte. Auch auf der neuen Storstrømbrücke soll Tempo 200 möglich sein. 

Von Curd Tönnemann

Und dafür gibt der Bund auch Geld

Der Haushaltsaussschuss des Bundestags hat außerdem beschlossen, die ersten zehn Millionen Euro für die Planungsarbeiten zum Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals bereitzustellen. Auf der Wasserstraße sollen künftig größere Frachter fahren können. Finanziell abgesichert wurde ein originalgetreuer Ersatzneubau für die historische Schwebefähre Rendsburg. Sie war bei einem Zusammenstoß mit einem Frachter im Januar zerstört worden. Auch für den östlichen Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals soll Geld fließen.

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