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Norddeutschland 13 Stunden am Tag? Streit um Arbeitszeiten im Gastgewerbe
Nachrichten Norddeutschland 13 Stunden am Tag? Streit um Arbeitszeiten im Gastgewerbe
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10:50 23.08.2017
Mitarbeitern im Hotel- und Gastgewerbe könnten künftig längere Arbeitstage drohen.

Bisher sieht das Gesetz eine tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden vor, die auf zehn Stunden verlängert werden kann, wenn die Überstunden innerhalb eines halben Jahres ausgeglichen werden. „Die Beschränkungen gehen an der Lebenswirklichkeit vorbei“, sagt Stefan Scholtis, Geschäftsführer des Dehoga in Schleswig-Holstein. „Das Gesetz ist von 1994. Seitdem hat sich viel geändert.“ Betriebe müssten heutzutage flexibler auf die Wünsche der Gäste reagieren können, zum Beispiel bei Veranstaltungen. „Eine Hochzeitsfeier endet nicht zu einer starren Uhrzeit, sondert dauert schon mal länger“, sagt Scholtis. Mitten in der Nacht das Personal auszutauschen sei aber – auch aufgrund des Fachkräftemangels – nicht machbar. „In solchen Fällen muss es möglich sein, dass die Mitarbeiter auch mal 13 Stunden am Stück arbeiten.“

Scharfe Kritik kommt von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „So lange Arbeitszeiten sind gesundheitsschädigend“, sagt Dirk Himmelmann, NGG-Geschäftsführer in Lübeck. „Wer das mehrere Tage am Stück durchzieht, ist danach körperlich am Ende.“ Schon jetzt würden Tausende Schleswig-Holsteiner sonnabends, sonntags und in den späten Abendstunden im Gastgewerbe im Einsatz sein. Längere Arbeitszeiten führten dazu, dass ihr Sozialleben vollends auf der Strecke bleibe. „Als Folge werden immer weniger Menschen bereit sein, in der Branche zu arbeiten“, sagt Himmelmann. „Die Personalknappheit wird also noch größer.“

Zudem hat er Sorge, dass es für die geleistete Mehrarbeit keinen Ausgleich geben könnte. Schon jetzt würden es viele Betriebe nicht hinbekommen, ihren Mitarbeitern die Ausgleichstage innerhalb des vorgeschriebenen Zeitraums zu gewähren. Scholtis widerspricht. Es gehe nicht darum, die Gesamtarbeitszeit zu verlängern. „Das Stundenkonto soll innerhalb von einer oder zwei Wochen ausgeglichen werden“, sagt er. „Bei Bedarf wird an einem Tag zwölf Stunden, am nächsten aber nur vier gearbeitet.“

Eine Chance, sich beispielsweise mit Streiks gegen die Pläne des Dehoga zu wehren, sieht die NGG nicht. „In Schleswig-Holstein sind unter 20 Prozent der Hotel- und Gastronomiemitarbeiter gewerkschaftlich organisiert“, sagt der Vorsitzende des Landesbezirks Nord, Herbert Grimberg. „Das ist ein großes Problem.“

Janina Dietrich

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