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Norddeutschland 162 Millionen Fahrgäste: Nahverkehr im Norden boomt
Nachrichten Norddeutschland 162 Millionen Fahrgäste: Nahverkehr im Norden boomt
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11:28 05.04.2016
Luisa Stachowski (18) guckt auf einem Fahrplan am Zob in Lübeck nach, wann ihr Bus kommt. Die Schülerin ist täglich mit dem Stadtverkehr unterwegs. Sobald sie ihren Führerschein hat, will sie aber aufs Auto umsteigen, weil sie damit schneller sei, sagt sie. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
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Lübeck

Bis vor einem Jahr noch ist Gerd Falk überhaupt nicht mit dem Bus gefahren. Doch dann entschied er sich, sein Auto wegzugeben und umzusteigen. „Jetzt bin ich begeisterter Busfahrer“, sagt der 76-Jährige. „Ich komme entspannt überall hin. Das ist toll.“ Der Lübecker ist seitdem jeden Tag mit dem Stadtverkehr unterwegs — zum Einkaufen, zum Kaffeetrinken oder um einen Ausflug zu machen.

Landesweit sechs Prozent Zuwachs — Positiver Trend auch beim Stadtverkehr Lübeck.

So wie Gerd Falk entdecken offenbar immer mehr Schleswig-Holsteiner Bus- und Bahnfahren im Liniennahverkehr für sich. Die Nahverkehrsunternehmen im Land haben im vergangenen Jahr fast 162

Millionen Fahrgäste befördert. Das waren sechs Prozent mehr als im Vorjahr, teilte das Statistikamt Nord gestern mit. Mit den Zügen der Regionalbahn Schleswig-Holstein fuhren zum Beispiel mehr als 23 Millionen Menschen, mit den Bussen der Autokraft rund 40 Millionen.

Im Tagesdurchschnitt nutzten 440000 Menschen die Angebote der Bahn- und Busbetriebe in Schleswig-Holstein. Zwei Drittel der Beförderungsleistung erbrachten Busse. Die Reiseweite betrug bei Busfahrten durchschnittlich elf Kilometer, bei Bahnfahrten waren es 30 Kilometer. In die Erhebung wurden allerdings nur Unternehmen mit mindestens 250000 Fahrgästen im Jahr einbezogen.

Beim Stadtverkehr Lübeck stiegen die Fahrgastzahlen ebenfalls, allerdings nicht ganz so stark wie im Landesschnitt. „Wir hatten 2015 einen Zuwachs von einem Prozent“, sagt Sprecherin Gerlinde Zielke.

28 Millionen Fahrgäste nutzten im vergangenen Jahr die Angebote des Stadtverkehrs. 2016 setze sich die positive Entwicklung bislang fort. „Allein im ersten Quartal hatten wir 165000 Fahrgäste mehr und damit ein Plus von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum“, sagt Zielke. Gründe dafür seien „ein stabilisiertes Angebotsnetz, nur moderate Preiserhöhungen und steigende Verkaufszahlen von Abo-Karten für Erwachsene“. Zielke rechnet damit, dass sich der Trend zu Monats- und Jahreskarten fortsetzen wird und damit auch die Fahrgastzahlen weiter steigen werden.

Die Rohde Verkehrsbetriebe, die 21 Linien in Ostholstein Mitte sowie den Stadtverkehr in Bad Segeberg betreiben, berichten von einem leichten Anstieg der Fahrgastzahlen — auch bei ihnen hätte vor allem der Verkauf der Monatskarten zugenommen, heißt es.

Die Lübeckerin Marianne Müller nutzt zwei bis drei Mal pro Woche den Stadtverkehr. „Ich fahre gerne Bus, da kann ich ein bisschen vor mich hin träumen oder hier und da mal gucken“, sagt die 72-Jährige. „Es ist immer sehr entspannt. Manchmal treffe ich auch noch jemanden zum Klönen.“

Luisa Stachowski ist sogar täglich mit dem Bus unterwegs — von Travemünde bis zu ihrer Schule in Kücknitz. „Aber nicht mehr lange, denn ich mache gerade Abitur“, sagt die 18-Jährige. Zudem besucht sie zurzeit die Fahrschule. Sobald sie ihren Führerschein hat, will sie — entgegen dem Trend — weniger mit dem Bus fahren.

Von Janina Dietrich

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