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Norddeutschland Immer mehr Schleswig-Holsteiner verschuldet
Nachrichten Norddeutschland Immer mehr Schleswig-Holsteiner verschuldet
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22:45 05.11.2018
Wenn das Geld nicht mehr reicht: Schuldnerberatungen weisen Wege aus der Krise. Quelle: dpa
Kiel

Die Zahl der Schleswig-Holsteiner, die in Schulden versinken und nicht mehr weiter wissen, wird offenbar größer. 28 303 Frauen und Männer haben sich im vergangenen Jahr bei Schuldnerberatungen Hilfe gesucht. Das sind knapp 16 Prozent mehr als drei Jahre zuvor. Die Statistiker hatten die Zahlen von 42 der 45 Beratungsstellen im Land erhoben.

Hauptauslöser für die Überschuldung war Arbeitslosigkeit. Das traf auf jede fünfte Person zu, die sich an eine Schuldnerberatung wandte. Aber auch Schicksalsschläge ließen Menschen finanziell abstürzen: Eine Erkrankung, der Tod eines Partners oder eine Scheidung führten dazu, mit dem Geld nicht mehr über die Runden zu kommen – und Schulden zu machen. 12 Prozent der beratenen Personen räumten immerhin ein, selbst Schuld an ihrer Misere zu sein, weil sie ihren Haushalt unwirtschaftlich führten.

Grundwissen zu Verträgen fehlt

„Oft fehlen Stabilität in der Familie und das Grundwissen über den Umgang mit Geld und Verträgen“, berichtet Vivien Rehder, Sprecherin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Rehder nennt ein Beispiel aus der Schuldner- und Insolvenzberatung ihres Vereins: „Ein junger Klient hatte nacheinander mehrere Handyverträge abgeschlossen – mit der Absicht, durch den Abschluss eines jeweils günstigeren Vertrags Geld zu sparen.“ Dass er nicht nur für den neuesten Vertrag, sondern auch für alle übrigen während ihrer Laufzeit weiterhin monatlich zahlen muss, habe ihm erst das Gespräch in der Schuldnerberatung klar gemacht.

Die Schuldenlast der Schleswig-Holsteiner, die den Weg in eine Beratungsstelle fanden, lag im Schnitt bei 29 313 Euro. Damit übertrafen die Schulden das Einkommen (1074 Euro) dieser Menschen um das 27-fache. Einziger Lichtblick: Die durchschnittliche Verschuldung lag im Jahr 2014 noch um fast 4000 Euro höher.

Besserverdiener machen seltener aber mehr Schulden

Menschen mit höherem Einkommen geraten nach Angaben des Statistikamts Nord äußerst selten in die Schuldenfalle. Wenn es passiert, dann allerdings kräftig und offenbar ungeniert. Das macht eine Untergliederung des monatlichen Nettoeinkommens der beratenden Personen deutlich. So hatte knapp die Hälfte aller Ratsuchenden ein Nettoeinkommen von unter 900 Euro und im Schnitt Verbindlichkeiten in Höhe von 22 427 Euro. In der Einkommensklasse ab 3600 Euro (0,2 Prozent) beliefen sich die durchschnittlichen Schulden auf 90 273 Euro.

Das anhaltend niedrige Zinsniveau befeuert Aktionen der Wirtschaft, mit 0-Prozent-Aktionen auf Kundenfang zu gehen. „Die allgegenwärtige Werbung für Konsumentenkredite und Ratenkauf verführt viele Menschen dazu, Dinge zu kaufen, die sie sich nicht leisten können“, sagt Rehder. Rat der Verbraucherberater: Wer leicht den Überblick über seine Finanzen verliert, sollte ein Haushaltsbuch führen und seine Ausgaben genau planen und kontrollieren. Ein Girokonto beispielsweise könnte bei Kontoüberziehung dazu führen, dass Bankkunden bis zu 14 Prozent Zinsen zahlen müssten. Vorsicht sei auch bei Krediten geboten: Selbst wenn die Zinsen günstig seien, würden häufig zusätzliche Kosten entstehen, etwa durch Bearbeitungsgebühren oder Kosten für teure Restschulden-Versicherungen.

Curd Tönnemann

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