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Norddeutschland 4000 Euro Prämie für E-Autos? Handel und Verbände skeptisch
Nachrichten Norddeutschland 4000 Euro Prämie für E-Autos? Handel und Verbände skeptisch
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18:50 27.04.2016
Ob ein Kauf-Bonus ein Anreiz ist, sich ein E- Mobil anzuschaffen? Quelle: dpa
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Berlin/Kiel

Am Dienstagabend hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das halbe Kabinett und die Bosse der Branche zum „Autogipfel“ geladen. Ein Ergebnis stand aus. Als Kaufprämie waren zuletzt bis zu 4000 Euro für reine Elektroautos und 3000 Euro für Hybride mit ergänzendem Verbrennungsmotor im Gespräch. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) fordert, die nötigen Entscheidungen für zusätzliche Anreize zu schaffen, um schneller E-Autos auf die Straße zu bekommen. Die selbst gesteckten Ziele sind bisher bei weitem nicht erreicht worden. Zu Jahresbeginn waren erst 25 000 E-Autos zugelassen.

„Nachdem fast alle Autohersteller eben erst der Täuschung von Abgaswerten bei Diesel-Fahrzeugen überführt wurden, soll der Kauf von Elektroautos jetzt mit Steuergeldern subventioniert werden“, empört sich Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein über eine falsche Akzentsetzung. Sinnvoller als eine Kaufprämie sei, Kommunen und Verkehrsbetriebe zu fördern, um ihnen die Umstellung des ÖPNV auf Elektroantrieb zu ermöglichen, regt BUND-Landesgeschäftsführer Ole Eggers an.

Selbst die Autohändler in der Region sind angesichts der Berliner Pläne skeptisch. „Die Menschen reißen sich nicht um Elektroautos. Noch fehlen ausreichend Ladestationen, noch haben diese Fahrzeuge nicht die nötige Reichweite“, sagt Uwe Karbe, Obermeister der Lübecker Kfz-Innung. Er glaubt nicht, dass eine staatliche Subvention zündet wie bei der Abwrackprämie für Altautos. „Der Bürger muss E-Autos erst wirklich wollen.“

Die Politik müsse Rahmenbedingungen so gestalten, dass das Elektroauto zu einer echten Alternative werden kann, fordert Ulrich Klaus Becker, Chef des ADAC Schleswig-Holstein. Eine staatliche Förderung beim Kauf lehnt auch er ab. „Weil sie einseitig nur wenigen privilegierten Autofahrern zugute kommt.“ E-Autos seien nach wie vor sehr teuer, blieben für viele Menschen daher unerschwinglich. Immerhin: Der Kieler Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hält Kaufanreize für E-Mobile für richtig. „Aber nur Diesel durch Kohlestrom zu ersetzten, hilft dem Klima null.“ In die Autobatterien gehöre Strom aus Erneuerbaren Energien.

Für Habecks Kabinettskollegen, Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD), ist Elektromobilität „zweifellos der Antrieb der Zukunft“. Von staatlichen Kaufprämien, die mit Steuergeldern finanziert werden, hält Meyer trotzdem nichts. „Wichtiger wäre es, die Autos technisch wettbewerbsfähiger zu machen.“ Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) pocht darauf, dass sich die Autoindustrie zur Hälfte an Kosten einer Förderung beteiligt.

Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Yougov bezweifeln 69 Prozent der Bundesbürger, dass die Politik ihr Ziel von einer Million E-Autos bis zum Jahr 2020 selbst bei Zahlung einer Prämie noch erreicht. Ein Kauf-Bonus wäre nur für jeden siebten Befragten Anreiz, sich ein E- Mobil anzuschaffen.

Von Curd Tönnemann

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