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Norddeutschland 4000 Euro für E-Autos: Eines zu finden, ist nicht leicht
Nachrichten Norddeutschland 4000 Euro für E-Autos: Eines zu finden, ist nicht leicht
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09:51 30.04.2016
Verkäuferin Anna Wolf mit einem Renault „Zoe“. Das Ladekabel wird vorne ins Auto gestöpselt. Quelle: Lutz Roeßler

 „Drei Monate Lieferzeit müssen Sie rechnen“, sagt etwa Verkaufsleiter Dirk Arendt von Nissan Olympic (Fiat, Jeep) in Kiel. Das E-Auto Nissan „Leaf“ müsste bestellt werden, es kostet ab 32000 Euro. Fehlanzeige auch beim VW-Autohaus Evers in Lübeck. „Wir sind kein E-Partner“, bedauert eine Mitarbeiterin. Grundsätzlich gibt es den E-Golf — für knapp 35000 Euro.

Mehr Ladestationen

Die Kaufprämie für E-Autos beträgt 4000 Euro, für Hybride 3000 Euros. Zum Förderprogramm gehört auch der Aufbau von 15000 neuen Ladestellen im Land, beispielsweise an Supermärkten oder Sportplätzen. Dafür gibt der Bund von 2017 bis 2020 zusätzlich rund 300 Millionen Euro aus.

Auch im Autohaus Algie (Citroen, Peugeot, Kia) bricht die Elektro-Ära eben erst an. In Lübeck ist kein E-Mobil ausgestellt. „Es gibt je einen ,Peugeot Partner electric‘ in unseren Häusern in Wismar und Rostock“, sagt Algie-Marketingleiter Bernd Anders, der in Rostock sitzt. Nachfrage nach Elektromodellen gebe es bislang kaum. Immerhin kostet beispielsweise der Elektro-„Berlingo“ von Citroen um 25 000 Euro, der vergleichbare Benziner dagegen 17 000 Euro. E-Autos seien zu teuer und nicht effektiv genug, so Anders. Trotz Förderung: „In nächster Zeit glaube ich nicht, dass es mehr Zulassungen von E-Fahrzeugen geben wird.“

Verkaufsleiter Andreas Wagner von BMW-Hansa verweist auf den „i8“, nur: „Der fällt nicht in die Förderung, weil er über 60000 Euro kostet.“ Fahrzeuge der Luxusklasse in dieser Preislage sind von der Zuzahlung ausgenommen. Den kleineren „i3“ gibt es schon ab 35000 Euro. Lieferzeit: 14 Tage oder mehr, je nach Ausstattung. Wagner: „Einen ,i3‘ haben wir da, der ist aber oft unterwegs.“ Es gebe noch keine verstärkte Nachfrage.

Wie auch — Elektrotankstellen sind rar, in ganz Lübeck gibt es kaum mehr als eine Handvoll. Und: Günstiger im Verbrauch ist ein Elektro-Auto auch nicht unbedingt. Einmal aufladen in der Steckdose kostet etwa 15 Euro — bei einer Reichweite von im Schnitt 150 Kilometern. Im Sommer mehr, im Winter weniger. Besonders flott geht das Laden nicht. Mit Schnell-Strom dauert das zwei bis drei Stunden, in der Steckdose zu Hause aber bis zu acht.

Dennoch hat zumindest das Renault-Autohaus Lüdemann und Zankel in Lübeck Erfolg mit seiner Elektro-Sparte. „Wir bauen sie derzeit auf, haben extra eine Verkäuferin für diesen Bereich eingestellt“, informiert Betriebsleiter Klaus Kruse. „Wir bilden auch einen Techniker aus, der große Elektromotoren warten kann. Bisher macht das ein Partnerbetrieb in Norderstedt.“

Seit Einführung des E-Modells „Zoe“ 2013 wurden in Lübeck 50 bis 60 Elektro-Renaults verkauft. Der Preis liegt derzeit bei knapp 21000 Euro, die Lieferzeit bei zwei bis drei Monaten. Das Mini-Auto „Twizy“, unter anderem bei Pizza-Diensten beliebt, falle übrigens nicht unter die Förderrichtlinie, so Kruse. „Das läuft als Quad.“

Seit Bekanntwerden des Förderbeschlusses sei bei ihr die Nachfrage merklich angestiegen, sagt die neue E-Auto-Verkäuferin Anna Wolf. „An einem Tag hatte ich fünf Anrufe.“ Fragen zum Thema kann sie sofort beantworten, das ist ihr Job. Sie klappt das Renault-Emblem des „Zoe“ auf, unter dem sich die Steckdose befindet, demonstriert, wie man das Ladekabel einsteckt. Wird das die Zukunft? Anna Wolf lächelt wissend. „Das ist die Zukunft.“

Von Marcus Stöcklin

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