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Norddeutschland 42 Drogentote im Norden
Nachrichten Norddeutschland 42 Drogentote im Norden
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22:11 28.04.2016
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Berlin/Kiel

Damit stieg die Zahl der Drogentoten zum ersten Mal seit dem Jahr 2010 wieder an. Auch die Rauschgiftdelikte sind 2015 im Vergleich zum Jahr davor deutlich angestiegen. 2015 zählte die Polizei 7767 und im Jahr 2014 lediglich 7162 Fälle, hieß es gestern aus dem Kieler Innenministerium.

Damit folgt Schleswig-Holstein dem bundesweiten Trend. In Deutschland ist die Zahl der Drogentoten auf 1126 angestiegen. Die Rauschgiftkriminalität kletterte um zwei Prozent auf 282604 Fälle. Das entspricht etwa fünf Prozent aller in Deutschland erfassten Straftaten. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), verwies darauf, dass es in Deutschland im Vergleich mit anderen Industriestaaten zwar relativ wenige Drogenopfer gebe — in den USA wurden 47000 Tote registriert —, doch „jeder Drogentote ist einer zu viel“. Sie plädierte dafür, dass weder die Drogenpolitik noch die Hilfe für Süchtige sowie die Prävention ihren Stellenwert verlieren dürften. Harte Drogen zu legalisieren, sei angesichts der dramatischen Opferzahlen „ein Irrweg“, sagte sie.

Auch den Konsum von „weichen Drogen“, etwa Cannabis, freizugeben, lehnte Mortler ab. Solche Drogen förderten nur den Einstieg in den Konsum anderer, harter Drogen.

Heroin ist bei den Todesfällen „nach wie vor die illegale Droge Nummer eins“, sagte Mortler. Besorgniserregend sei aber auch der Anstieg bei Crack und der „Modedroge“ Crystal Meth, die vor allem aus Tschechien nach Deutschland überschwappe. LSD und Ecstasy wiesen ebenfalls einen Anstieg auf.

Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, sagte, der Drogenhandel verlagere sich immer mehr in die vermeintliche Anonymität des Internets. Die Ermittler müssten mit diesen Entwicklungen Schritt halten und ihre technische Ausstattung aufrüsten. Auch sollte es der Polizei möglich gemacht werden, leichter an die IP-Adressen von Drogen-Händlern und -Kunden zu gelangen. Mortler kündigte für kommende Woche einen Gesetzesentwurf an, mit dem gegen die sogenannten neuen psychoaktiven Substanzen vorgegangen werden könne.

Von Reinhard Zweigler

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