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Norddeutschland 430 Kilogramm Kokain: Schmuggler stehen vor Gericht
Nachrichten Norddeutschland 430 Kilogramm Kokain: Schmuggler stehen vor Gericht
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13:41 07.09.2016
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Bremen

Zum Auftakt eines neuen Prozesses um den Schmuggel von rund 430 Kilogramm Kokain nach Deutschland ist am Mittwoch vor dem Landgericht Bremen die Anklage verlesen worden. Vier Männer im Alter von 24, 29, 34 und 41 Jahren sollen die Einfuhr von großen Mengen Drogen aus Brasilien, Ecuador und Peru nach Bremerhaven mitorganisiert haben. Schätzungen zufolge kann eine Menge von rund 430 Kilogramm Kokain für bis zu zehn Millionen Euro verkauft werden.

Eine erste Verhandlung gegen die Männer, von denen drei in Untersuchungshaft sitzen, war im August begonnen worden. Nach insgesamt drei Terminen wurde sie abgebrochen, weil es Einwände gegen die Schöffenbesetzung gab. Die Kammer entschied sich für den Beginn einer neuen Hauptverhandlung mit anderen Schöffen.

Nach der vom Staatsanwalt vorgelesenen Anklageschrift hatten die drei Angeklagten, die in Haft sind, einen gemeinsamen Tatplan. Den Ermittlungen zufolge haben sie in unterschiedlicher Beteiligung drei Mal Kokain nach Deutschland gebracht: Ende Dezember mindestens 150 Kilogramm, die in einem Container mit Tiefkühlfleisch aus Brasilien versteckt waren, im Januar etwa 218 Kilogramm Kokain in einem Container mit Bananen aus Ecuador und im Februar rund 64 Kilo Kokain in einem Kühlcontainer von Peru nach Bremerhaven. Den Ermittlungen zufolge wollten sie die Drogen gewinnbringend verkaufen.

Laut Anklageschrift haben sich die drei Männer den Zutritt zum Hafengelände über den vierten Angeklagten verschafft. Der 41-Jährige ist ein Halbbruder des 29-jährigen Beschuldigten. Er arbeitet nach eigenen Angaben als Festmacher im Bremerhavener Hafen. Den Ermittlungen zufolge hat er seinem Halbbruder und den anderen Tätern eine Zutrittskarte gegen Bezahlung gegeben.

Der Angeklagte bestritt dies am Mittwoch. Er sagte, dass er seinem Halbbruder auf Nachfrage über die Sicherheitsvorkehrungen im Hafen berichtet habe. Er habe ihm auch erklärt, dass manche Arbeiter im Hafen Zutrittskarten benutzen, die nach ihrer Schicht in einen Briefkasten geworfen werden. Später habe er mitbekommen, dass eine solche Karte verschwunden war und seinen Bruder darauf angesprochen. Der habe ihm später 2500 Euro gegeben - als Dank dafür, dass er wegen der Karte Stillschweigen bewahrt habe.

Der 41-Jährige gab auch zu, dass er von dem Vorhaben seines Bruders, geschmuggeltes Kokain aus dem Hafen zu holen, wusste. Eine Beteiligung für 50 000 Euro habe er abgelehnt. Nachdem er vor Gericht zunächst bestritt, über eine erfolgreiche Kokain-Einfuhr informiert worden zu sein, korrigierte er sich kurze Zeit später. Er gab zu, Angst zu haben. „Mein ganzes Leben ist fast ein reiner Scherbenhaufen“, sagte er sichtlich bewegt. Die drei anderen Angeklagten ließen über ihre Verteidiger mitteilen, dass sie derzeit keine Aussagen machen wollen.

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