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4300 Flüchtlinge suchen in Schleswig-Holstein Arbeit

Kiel 4300 Flüchtlinge suchen in Schleswig-Holstein Arbeit

Jeder Fünfte bringt gute Ausbildung mit.

Kiel. Die Flüchtlinge in Schleswig-Holstein sind besser ausgebildet als angenommen und zudem vergleichsweise jung. Das geht aus dem ersten Landes-Migrationsbericht der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. „Ich bin zuversichtlich, dass wir einen großen Teil der Flüchtlinge in Lohn und Brot bringen können“, sagt die Leiterin der Regionaldirektion Nord, Margit Haupt-Koopmann. Zwei von drei Flüchtlingen benötigten vorher aber eine Qualifikationsmaßnahme. „Wir brauchen also einen langen Atem.“

Laut BA-Bericht hat die erste Welle des Flüchtlingsstroms den Arbeitsmarkt erreicht. „In Schleswig-Holstein suchen derzeit allein 2520 Flüchtlinge aus Syrien einen Job“, berichtet Haupt-Koopmann. In der Statistik der arbeitslosen Ausländer habe Syrien den traditionellen Spitzenreiter Türkei damit erstmals überflügelt. Weit dahinter rangieren Länder wie Eritrea, Irak oder Iran. Insgesamt sind bei der BA gut 4300 Flüchtlinge registriert, das sind fast fünf Prozent aller Arbeitslosen im Land.

Mehr als jeder Fünfte dieser Flüchtlinge (22 Prozent) ist ein Akademiker oder eine Fachkraft, die leichter auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Schwieriger dürfte der Einstieg ins Berufsleben für die 62 Prozent der Flüchtlinge werden, die keine Ausbildung nach deutschem Standard haben. Diese Menschen hätten zwar teils mehrjährige Berufserfahrung, aber nicht das nötige Abschlusszeugnis, so die Leiterin der Regionaldirektion. „In Syrien gibt es eben keine duale Ausbildung.“

Haupt-Koopmann geht davon aus, dass auch viele der angeblich unqualifizierten Flüchtlinge eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. „Das sind die Fachkräfte von übermorgen.“ Die Zuversicht erklärt sich auch daraus, dass viele Flüchtlinge sehr jung sind. Mehr als die Hälfte ist noch keine 35, mehr als jeder Fünfte sogar jünger als 25. An Integrationsbeispielen mangelt es Haupt-Koopmann nicht. So brachte die Arbeitsagentur drei Männer, die in Syrien und Afghanistan in der Metallbranche gearbeitet hatten, in einem Betrieb nahe Kiel unter. „Dem Chef reichten ein paar Blicke über die Schulter der Flüchtlinge, um festzustellen, dass sie ihr Handwerk beherrschen.“

Die BA will das Qualifikationsproblem jetzt systematisch lösen. Von September an sollen Flüchtlinge in zunächst sechs Berufen zeigen, was sie können. Defizite sollen dann mit Hilfe von IHK oder Handwerkskammern behoben werden. Mehr als 6000 Flüchtlinge stecken in Schleswig-Holstein noch in Maßnahmen, besuchen etwa Sprachkurse und werden in den nächsten Monaten auf Jobsuche gehen.

Ulf B. Christen

LN

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