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75 Syrer bleiben verschwunden - Minister begrüßt Flüchtlingsfamilie

Neumünster 75 Syrer bleiben verschwunden - Minister begrüßt Flüchtlingsfamilie

75 aufgegriffene Transit-Flüchtlinge aus Syrien sind vermutlich heimlich von Neumünster nach Skandinavien weitergereist. Andere Syrer wollen gern in Deutschland bleiben. In Kiel erwartete Innenminister Breitner die erste Familie des offiziellen Flüchtlingskontingents.

Neumünster . Die 75 syrischen Flüchtlinge, die am Wochenende in eine Ausländerunterkunft in Neumünster kamen und diese aus eigenem Entschluss schnell wieder verließen, sind weiterhin verschwunden. „Ich vermute, dass diese Flüchtlinge inzwischen Schleswig-Holstein verlassen haben in Richtung Skandinavien“, sagte der Leiter der Zentralen Aufnahmestelle des Landes, Ulf Döhring, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Ein Sprecher der Bundespolizei sagte, die Flüchtlinge seien bisher nicht wieder aufgegriffen worden.

Unterdessen lud Innenminister Andreas Breitner (SPD) am Dienstagnachmittag in Kiel ein, eine dreiköpfige syrische Familie als erste Flüchtlinge aus dem offiziellen, von Deutschland zugesagten 5000er-Kontingent in Schleswig-Holstein zu empfangen und herzlich willkommen zu heißen. Schleswig-Holstein wird voraussichtlich 168 dieser Menschen aufnehmen. Die ersten gut 100 Flüchtlinge, die vor zwei Wochen in Deutschland eintrafen und seither im Aufnahmelager im niedersächsischen Friedland untergebracht waren, kommen nun an ihre endgültigen Wohnorte.

Die in Neumünster verschwundenen Flüchtlinge hatten zu den 85 Syrern gehört, die kurz vor der dänischen Grenze in einem Bus entdeckt und am Samstagnachmittag nach Neumünster gebracht worden waren. Die Gruppe mit etwa 30 Kindern soll von Italien nach Kopenhagen unterwegs gewesen sein. Flüchtlinge in einer Erstaufnahmestelle wie Neumünster werden nicht festgehalten, erklärte Döhring. „Natürlich fällt es auf, wenn Flüchtlinge vom Gelände gehen, wir haben Torwachen. Aber es wäre ein Verstoß gegen Grundrechte, wenn wir die Menschen einknasten würden.“

Die Flüchtlinge waren am Samstagnachmittag nach Neumünster gebracht worden. „Jeder hat einen Hygienebeutel bekommen, wir haben jedem auch ein Bett geben können“, sagte Döhring. „Die Flüchtlinge konnten am Abendessen teilnehmen.“ Offenbar hätten immer mehr Flüchtlinge die Erstaufnahmestelle verlassen, aber nicht als große Gruppe. Erst am Montagmorgen bei einem Termin mit einem Dolmetscher zum Asylbewerber-Verfahren sei deutlich geworden, dass nur noch zehn der 85 Flüchtlinge da waren. „Daraufhin haben wir umgehend die Bundespolizei benachrichtigt.“

„Es ist für die allermeisten Asylbewerber untypisch, dass sie die Erstaufnahmelager verlassen, denn sie wollen ja über ein Asylverfahren in Deutschland bleiben“, sagte Döhring. Anders sei dies bei Flüchtlingen, die nur über Schleswig-Holstein weiter nach Skandinavien wollten - „um zu Verwandten zu gelangen und dort zu leben oder weil sie eher die Erlaubnis bekommen zu arbeiten wie zum Beispiel in Norwegen“. Solche Transit-Flüchtlinge, die von der Bundespolizei aufgegriffen werden, würden oft Erstaufnahmelager verlassen. Da die Bundespolizei Fingerabdrücke von illegal Eingereisten nehme, könnten sie aber auch später identifiziert werden. „Es ist hinzunehmen, dass es Verstöße gegen aufenthaltsrechtliche Bestimmungen gibt“, resümierte Döhring.

Ein Sprecher der Bundespolizei betonte den gesetzlichen Auftrag, illegales Schleusen zu verhindern. „Wir wollen an die Hintermänner ran, um solche Organisationen zu zerschlagen.“ Die Flüchtlinge selber hätten oft schwere, bedauernswerte Schicksale. Sonderkontrollen, um die syrischen Flüchtlingen zu finden, habe die Bundespolizei nicht angeordnet, sondern es würden die üblichen Kontrollfahrten in der Grenzregion vorgenommen.

In den vergangenen Monaten waren besonders viele Menschen aus Syrien nach Deutschland gelangt. Seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 kamen 18 000 Menschen auf eigene Faust aus dem Bürgerkriegsland nach Deutschland, um hier um Asyl zu bitten. Zudem hat sich Deutschland bereiterklärt, bis zum Jahresende 5000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen.

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