Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland A 20: Schutz der Fledermäuse reicht nicht aus
Nachrichten Norddeutschland A 20: Schutz der Fledermäuse reicht nicht aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:24 22.10.2013
Leipzig

Kommt am 6. November per Gerichtsurteil die Vollbremsung für den Weiterbau der A 20? Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig kritisiert Fehlplanungen beim Fledermaus-Schutz rund um Bad Segeberg durch den Landesbetrieb Verkehr. Ersatz-Flugtunnel für die Tiere seien womöglich gar nicht dort vorgesehen, wo die Tiere die Autobahn queren würden.

Dabei hatte es einmal so gut begonnen mit der Ostseeautobahn A 20 — zumindest im Osten Deutschlands: 1992 der erste Spatenstich, schon 2004 waren über 300 Kilometer Strecke von der polnischen bis zur Landesgrenze Mecklenburg- Vorpommerns durchgängig befahrbar. In Schleswig-Holstein aber fingen die Probleme an. Umweltverbände klagten zum Beispiel gegen die Brücke übers ökologisch sensible Wakenitztal. Erst nach einem langen Baustopp und Umplanungen konnte die Brücke schließlich fertiggestellt werden. Der Bau der Autobahn schleppte sich bis vor die Tore Bad Segebergs weiter. Und genau dort könnte, hört man die Richter-Kritik, die A 20 noch eine ganze Zeit lang enden. Denn auch hier könnten Umplanungen notwendig werden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hatten geklagt. „Die Ermittlung der Flugrouten von Fledermäusen hätte auch mögliche anderen Routenplanungen der Autobahn zum Ziel haben müssen und nicht nur Schutzmaßnahmen“, kritisierte Anwalt Rüdiger Nebelsieck gestern in Leipzig. Eine Entscheidung der fünf Bundesrichter des Senats im Sinne der Naturschützer wird wahrscheinlich. Die Segeberger Kalkberghöhlen mit ihren über 20 000 Fledermäusen sind schließlich auch als Fauna-Flora-Habitat (FFH) ausgewiesen und damit streng geschützt.

Die Gemeinde Wittenborn hingegen dürfte mit ihrer Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht voraussichtlich scheitern. „Wir haben an den Erfolgsaussichten der Klage erhebliche Zweifel“, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Bier gestern, „sowohl was die Zulässigkeit der Klage betrifft als auch ihre Begründbarkeit.“

Die Gemeinde Wittenborn befürchtet durch den Autobahnbau Nachteile für ihre Freiwillige Feuerwehr, weil sie künftig für Fahrten zu Einsätzen in Waldgebiete nördlich der Kommune Umwege in Kauf nehmen und längere Anfahrten von bis zu zehn Minuten einrechnen müsste. Sie hatte erreichen wollen, dass die Feuerwehr mit ihren Autos durch einen Fledermaustunnel fahren darf, der unter der Autobahn hindurch führen soll. Der Landesbetrieb Verkehr machte hingegen geltend, zusätzlich 65 000 Euro investieren zu müssen, damit der Tunnel von Feuerwehrfahrzeugen genutzt werden könnte. Die Gemeinde hielt diese Kostenschätzung des Landes für „maßlos übertrieben“.

se/wh

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Rücktritts-Rufe werden immer lauter.

22.10.2013

Wenn mitten im Herbst für einige Stunden der Sommer zurückkehrt, ist alles möglich: Vom mutigen Bad in der Ostsee bis zum Blättersammeln im T-Shirt.

22.10.2013

Könnte Dänemark auch schon an der Eider beginnen? Das erträumt sich das Urgestein des SSW — und erntet viel Kritik.

22.10.2013
Anzeige