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Norddeutschland A1 wird Teststrecke für Elektro-Lkw
Nachrichten Norddeutschland A1 wird Teststrecke für Elektro-Lkw
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12:48 22.09.2017
Per ausfahrbaren "Armen" ziehen sich die speziellen Hybrid-Lkw an der Oberleitung Strom und können den Dieselmotor abschalten. Quelle: dpa
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Lübeck/Reinfeld

Die Oberleitung wird in jeder Fahrtrichtung über der rechten Fahrspur hängen, auf jeweils gut fünf Kilometern zwischen der Anschlussstelle Reinfeld und dem Kreuz Lübeck. Spezielle Hybrid-Lkw können am Beginn der Strecke in voller Fahrt per Knopfdruck einen Stromabnehmer ausfahren und dann ihren Dieselmotor abschalten. Am Ende der Strecke wird der Abnehmer wieder eingezogen. Das System arbeitet ähnlich dem der Straßenbahnen mit einer Spannung von 600 Volt. Gespeist werden soll es mit Windstrom.

Ein Modellprojekt

600 Volt Spannung liegen ab Herbst 2018 an den Oberleitungen des E-Highways zwischen Reinfeld und Lübeck an. Das System funktioniert mit Gleichstrom. Hybrid-Lkw können ihn per Stromabnehmer nutzen. Ein Modellprojekt: Nur Hessen richtet 2018 ebenfalls eine Teststrecke ein. Und in Schweden rollen E- Lkw bereits über zwei Kilometer Autobahn.

Die Reinfelder Spedition Bode ist der erste Projektpartner und will im kommenden Herbst mit zunächst zwei Lkw im Pendelverkehr zwischen ihrem Kühlhaus in Reinfeld und dem Lübecker Hafen den Probebetrieb starten. Den Strom gibt’s gratis, sagt Svenja Töter, im Kieler Umweltministerium für die E-Mobilität zuständig. Weitere Speditionen dürften sich gerne melden. Das Projekt ist auf zunächst drei bis vier Jahre angelegt.

Obwohl die Fahrbahn für den Oberleitungsbau nicht angerührt werden muss, habe die Vorbereitung lange gedauert, berichtet Jan Bachmann vom Forschungs- und Entwicklungszentrum der Fachhochschule Kiel, einer hochschuleigenen GmbH, die das Projekt betreut und wissenschaftlich auswerten lassen will. Umweltgutachten mussten her, und weil die Oberleitung ganz kurz in der Sichtachse der Autobahnnutzer zur Lübecker Altstadt liegt, musste der Denkmalschutz befragt werden. Naturschützer forderten, stattdessen den Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. Das aber sei schon aus Kapazitätsgründen kaum möglich, sagt FDP-Wirtschaftsminister Bernd Buchholz. 70 Prozent würden weiter über die Straße rollen.

„Schiene und Straße sind für den Güterverkehr keine Alternativen, sie müssen sich ergänzen“, betont auch Grünen-Umweltminister Robert Habeck. Es werde immer Güter geben, die kleinteilig und flexibel transportiert werden müssen. Wichtig sei daher, womit die Lkw angetrieben werden. Er hoffe, dass das Projekt am Ende funktioniert und Oberleitungen künftig zur Basis-Ausstattung der deutschen Autobahnen gehören würden.

Speditions-Geschäftsführer Kai Bode war anfangs skeptisch, ist seit einem Besuch einer nicht-öffentlichen Teststrecke in Brandenburg aber von der Technik begeistert. „Das ist auch für uns Lkw-Fahrer toll. Der E-Antrieb ist super leise, ruckfrei, man gleitet nur so dahin.“ Die Firma Scania wolle die Lkw mit Stromabnehmer bauen und ihm leihweise zur Verfügung stellen. Bis Ende 2018 muss das Projekt „E- Highway“ dann am Start sein. Nur dann zahlt der Bund die vollen Kosten von 14 Millionen Euro.

Wolfram Hammer

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