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Norddeutschland A20-Loch: Die Großbaustelle im Moor
Nachrichten Norddeutschland A20-Loch: Die Großbaustelle im Moor
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21:08 11.08.2018
Die Baustelle für die Behelfsbrücke am A20-Loch ist fast einen Kilometer lang und liegt mitten im Moor bei Tribsees. Quelle: Alexander Müller
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Tribsees

Langsam dreht sich der Bohrkopf in die Erde. Stück für Stück gräbt er sich durch das Moor bei Tribsees und schaufelt dabei so viel feuchte Erde nach oben, dass Lastwagen anrücken müssen, um das ganze Zeug wegzuschaffen. Während sich dieses tonnenschwere Ungetüm aus Stahl durch den Untergrund schiebt, registrieren Messgeräte jede kleinste Bewegung des Bodens - denn hier, an der Baustelle am A20-Loch, bewegt er sich ständig. Wird ein kritischer Wert überschritten, schrillt eine Alarmsirene über das Gelände. Der Bohrer, der eben noch unaufhaltsam in das Erdreich vorgedrungen ist, kommt dann plötzlich zum Stillstand. 

Die Reparatur der kaputten A20 bei Tribsees, die vor fast genau einem Jahr über dem morastigen Grund zusammengebrochen war, stellt eine der größten Herausforderungen in der Baugeschichte Mecklenburg-Vorpommerns dar. Es gibt derzeit kein Projekt im Land, das so aufmerksam und skeptisch von der Öffentlichkeit verfolgt wird wie dieses. Alle hoffen auf einen schnellen Erfolg: Die Pendler und Urlauber, die oftmals stundenlang an der Umleitung im Stau stehen. Die Politiker, die nach den vielen Horrornachrichten endlich wieder Erfolge vermelden wollen. Und natürlich die Bewohner der benachbarten Gemeinden, die hoffen, dass der Verkehr abnimmt und endlich wieder Ruhe einkehrt in ihren Dörfern. 

Noch in diesem Jahr soll der Verkehr über die Brücke rollen

In Rekordzeit wird derzeit eine sogenannte Behelfsbrücke über die abgesackte Stelle gebaut. Noch in diesem Jahr sollen die Autos darüber fahren können. Einspurig, mit maximal Tempo 60. Deutschland, das Land der Ingenieure und Baumeister, will seinen in Mitleidenschaft geratenen Ruf wiederherstellen. „In so kurzer Zeit die Planung zu bewerkstelligen, die Logistik zu organisieren und die Maschinen heranzuschaffen - das ist schon eine Leistung“, sagt Ronald Normann. Als Leiter der Abteilung Autobahn im Landesamt für Straßenbau und Verkehr ist er dafür zuständig, dass die Baustelle läuft wie eine Maschine, bei der ein Rädchen ins andere greift - und davon gibt es ziemlich viele. 

Um die Dimensionen zu erkennen, muss man sich nur die Zahlen anschauen. Die Baustelle ist fast einen Kilometer lang. 80 Leute von Firmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz arbeiten im Schichtbetrieb - von 7 Uhr früh bis 4 Uhr in der Nacht. 51 Millionen Euro Baukosten summieren sich allein für diesen Bauabschnitt. Fünf Bohrgeräte stehen auf der Baustelle, die wie Türme in den Himmel ragen, jedes ist bis zu 140 Tonnen schwer. „So viele von diesen Maschinen auf einer Baustelle gab es in MV noch nie“, sagt Ronald Normann. Und das ist erst der Anfang: Die Behelfsbrücke, die derzeit entsteht, bleibt maximal fünf Jahre, so Normann. Erst wenn die fertig ist, wird mit den Arbeiten an der richtigen Brücke begonnen, die dann hoffentlich länger hält. Der bisherige Damm an der Stelle war nach zwölf Jahren eingestürzt. 

Löcher werden 23 Meter tief in die Erde gebohrt

Anders als damals werden diesmal keine schmalen Säulen verwendet, um die Konstruktion im Boden zu verankern. Sie waren vor dem Zusammensturz zerbrochen. Noch heute liegen einige Teile davon auf der Baustelle verstreut. Sie sind etwa 25 Zentimeter dick. Die neuen Pfähle haben hingegen einen Durchmesser von etwa 1,30 Metern. Dafür werden 305 Löcher in die Erde gebohrt. Sie sollen später einmal die Brückenteile tragen und die Belastung durch den darüber rollenden Verkehr bis in den sicheren Untergrund weitertransportieren. Weil der erst in 23 Meter Tiefe liegt, dauert es bis zu acht Stunden, ehe der Bohrkopf unten angelangt ist. Danach wird, vereinfacht ausgedrückt, das Loch mit Beton aufgefüllt. 

Die große Herausforderung ist, dass die tonnenschweren Geräte auf dem wackeligen Untergrund sicher stehen können. Dafür wurde eigens eine riesige Betonplatte gegossen, die für Stabilität sorgen soll. 

Durch die Erdwälle am Rande der Baustelle ziehen sich dennoch große Risse, ständig tauchen neue auf. Sie zeigen, wie heikel das Bauprojekt auf dem Sumpf trotz allem ist. Doch eines steht fest: Es muss gelingen. Und zwar schnell.

Alexander Müller

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