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Norddeutschland ADAC kämpft gegen das notorische Mittelspurfahren
Nachrichten Norddeutschland ADAC kämpft gegen das notorische Mittelspurfahren
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21:21 14.11.2016
Eine Szene von der A 1 bei Lübeck: Obwohl die rechte Spur hinter und vor dem Laster frei ist, bleiben die Autos in der Mitte. Dabei gilt auf Autobahnen das Rechtsfahrgebot. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Sie sind unverbesserlich: Stoisch zuckeln sie mit 80 Stundenkilometern über die mittlere Spur der Autobahn. Die rechte Fahrbahn ist längst frei, doch ein Spurwechsel kommt für sie nicht infrage. Sogenannte Mittelspurschleicher oder -blockierer haben bereits so manchen Autofahrer zur Weißglut getrieben. Der ADAC hat sich nun des Themas angenommen und will aufklären. Denn die permanenten Mittelspurfahrer sind nicht nur lästig, sondern auch gefährlich und können im schlimmsten Fall sogar Unfälle verursachen.

Der Verkehrsclub hat auf seiner Facebook-Seite die animierte Grafik „Das. Rechtsfahrgebot. Beachten.“ gepostet – und eine gewaltige Resonanz geerntet. Innerhalb von fünf Tagen wurde sie 4,2 Millionen Mal aufgerufen. „Das war für uns eine positive Überraschung“, sagt Johanna Fink, Leiterin Digitale Kommunikation beim ADAC. Neben Themen wie Rettungsgasse oder „Wie fädele ich richtig ein“ sei das etwas, das viele interessiere und spannend fänden. „Darüber echauffiert man sich gerne, weil jeder das kennt.“

Auf deutschen und den meisten europäischen Straßen gilt das Rechtsfahrgebot. Doch besonders auf Autobahnen lässt sich immer wieder beobachten, dass diese Verkehrsregel nicht alle verinnerlicht haben.

„Das ist eine große Problematik“, sagt Ulf Evert, Sprecher des ADAC Schleswig-Holstein. „Mittelspurblockierer verursachen Staus und und gefährliche Situationen.“ In der animierten Grafik zeigt der Verkehrsclub sehr anschaulich anhand eines roten und mehrerer grüner Fahrzeuge, was passiert, wenn ein Fahrer ständig die mittlere Spur blockiert. Wegen des langsamen Autos vor ihm muss der dahinter fahrende Wagen abbremsen, um dann auf die linke Spur auszuscheren. Wegen seines reduzierten Tempos müssen die schnell ankommenden Fahrzeuge hinter ihm abrupt bremsen. Ein anderer Pkw muss gleich von der ganz rechten auf die linke Fahrspur wechseln, andere fühlen sich genötigt, rechts zu überholen.

Frank Walkenhorst, Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbands Schleswig-Holstein, vermutet Unsicherheit hinter dem permanenten Blockieren der Mittelspur. „Die Fahrer haben Angst, dass sie hinter den Lkw nicht mehr rauskommen“, sagt der Experte. In den Fahrstunden sei das Rechtsfahrgebot natürlich ein Thema. Auch die Verkehrswacht wies in der Vergangenheit mit Plakaten an Autobahnen auf die Thematik hin. „Der Verkehr wird immer dichter“, sagt Elisabeth Pier, Vizepräsidentin der Verkehrswacht Schleswig-Holstein. „Da ist es umso wichtiger, dass man sich an die Regeln hält.“ Der Polizei liegen keine Zahlen zu Unfällen vor, die durch Mittelspurblockierer verursacht wurden. „Ein Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot stellt für den überholenden Verkehr und für den Verkehrsfluss im Einzelnen ein Ärgernis dar“, sagt Jürgen Börner, Sprecher des Landespolizeiamtes. „Es entsteht dann eine Verkehrslage, auf die sie sich einstellen müssen und die die Verkehrsteilnehmer zu bewältigen haben.“

Für die Mittelspurblockierer kann der Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot ein Nachspiel haben. Sollten sie gleichzeitig andere dabei gefährden, erwartet sie ein Bußgeld von 80 Euro sowie ein Punkt in Flensburg. In der Stadt gilt das Rechtsfahrgebot für Fahrzeuge mit 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse auf mehrspurigen Straßen übrigens nicht. Sie können die Spur frei wählen und laut ADAC auch andere Fahrzeuge rechts überholen.

INFO: Den Clip finden Sie auf der Facebook-Seite des ADAC unter der Rubrik „Videos“.

Autobahnen: Ausnahmen vom Rechtsfahrgebot

In der deutschen Straßenverkehrsordnung (StVo) ist geregelt, dass Autos von zwei Fahrbahnen die rechte benutzen müssen (Paragraf 2. Absatz 1). Außerdem „ist möglichst weit rechts zu fahren, nicht nur bei Gegenverkehr, beim Überholtwerden, an Kuppen, in Kurven oder bei Unübersichtlichkeit.“ (Paragraph 2. Absatz 2).

Auf der Autobahn ist in zwei Fällen das Rechtsüberholen erlaubt. Wenn der Verkehr so dicht ist, dass sich auf der Fahrspuren für eine Richtung Fahrzeugschlangen gebildet haben, darf rechts schneller als links gefahren werden (Paragraf 7. Absatz 2 StVo). Auch wenn auf der Fahrbahn für eine Richtung eine Fahrzeugschlange auf dem jeweils linken Fahrstreifen steht oder langsam fährt, dürfen Autos diese mit geringfügig höherer Geschwindigkeit und mit äußerster Vorsicht rechts überholen (Absatz 2a).

Seit dem alten Rom galt in Europa eigentlich Linksverkehr. Reiter und Soldaten konnten sich so als Rechtshänder mit ihrer Lanze besser verteidigen.

In der Binnenschifffahrt gilt weltweit Rechtsverkehr. Napoleon Bonaparte übernahm diese Regelung zunächst in Frankreich – wo es viel Binnenschifffahrt gibt – auch für die Straßen. Später führte er den Rechtsverkehr auch in den von ihm besetzten Ländern ein. Dadurch setzte er sich im größten Teil Europas durch.

 Julia Konerding

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