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Norddeutschland Radfahrer fühlen sich in Lübeck nicht sicher
Nachrichten Norddeutschland Radfahrer fühlen sich in Lübeck nicht sicher
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08:12 10.04.2019
Florian Biener fühlt sich in Lübeck „einigermaßen sicher“. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Im Norden schneidet Kiel beim aktuellen „Fahrradklima-Test“ mit der Note 3,84 noch am besten ab, bundesweit liegt es damit auf Platz fünf unter den 25 Städten der Größenordnung von 200 000 bis 500 000 Einwohnern. Sieger ist Karlsruhe, gefolgt von Münster. Lübeck hat Note 4,09. Das reichte gerade mal für Rang 13.

Charlotte Humbeck (28), Studentin aus Lübeck, wundert das nicht. „Es ist fast überall zu eng für die Fahrradfahrer“, findet sie. Sie fährt nahezu täglich mit dem Rad zur Uni. Trotz bewusst defensiver Fahrweise gerate sie dabei immer wieder in Konfliktsituationen mit Autofahrern, die sich ihrer Meinung nach oft rücksichtslos verhalten. „Vorige Woche gab es drei Situationen, wo ich dachte, okay – jetzt hätte es mich auch erwischen können.“ Einem Autofahrer, der vor ihr abrupt bremste, sei sie ins Heck gefahren. „Der hat das gar nicht gemerkt, weil er Kopfhörer anhatte.“

Lübecker sagen, was sie stört und was sie im Straßenverkehr erleben.

Vom Bus erfasst

Auch Charlottes Freundin Lisa Friederichs (26) fühlt sich in Lübeck auf dem Rad nicht sicher. Nur mit Helm wage sie sich in den Stadtverkehr. „Eine Freundin von mir ist vom Bus angefahren worden. Gott sei Dank ist ihr nichts Ernsthaftes passiert.“

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„Ich fahre gar nicht Rad in der Stadt“, sagt Margret Wulf (65). Das sei ihr zu gefährlich. Nicht nur wegen der Autofahrer, auch wegen des Verhaltens mancher Radfahrer. „Ich sehe aus dem Fenster meiner Wohnung, wie manche von denen rasen.“

Britta Brandt (49) dagegen fühlt sich sicher, sofern sie auf Radwegen fahren kann. In Lübeck seien allerdings viele Radwege nicht in Ordnung. „Es gibt viele Wurzelhubbel und Schlaglöcher.“

Schlechte Fahrradwege

„Die Fahrradwege sind zum Teil wirklich schlecht“, stimmt Johann Lichte (11) zu. Den Schüler nervt auch, dass Autofahrer oft einfach die Radwege zuparken. „Manche könnten da mehr Rücksicht nehmen.“ Es gebe auch Autofahrer, die einfach die Autotür aufmachten, ohne zu schauen, ob gerade ein Radfahrer vorbeifährt. „Insgesamt fühle ich mich auf dem Rad in der Stadt nicht wirklich sicher.“

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Das kann Pascal Merks (29) nur bestätigen. Manche Radwege endeten im fließenden Verkehr, kritisiert der Student. Und am Lübecker Mühlentor- oder Lindenteller fühle man sich als Radfahrer nicht wohl.

Radler Florian Biener (40) fühlt sich dagegen „einigermaßen sicher“. „Es kommt immer auf die Stelle an.“ Lübeck habe vielfach Nachholbedarf. Er wohnte vorher in Bremen: „Das ist schon ein anderer Schnack. Da wird Radverkehr groß geschrieben.“ Er bemühe sich, in der Stadt möglichst vorausschauend zu fahren. „Trotzdem gibt es immer wieder brenzlige Situationen.“

Gute Noten für Eutin

„In Lübeck scheint die Sicherheit der Radfahrer bei den Stadtpolitikern keine besonders große Priorität zu haben“, moniert Thomas Möller (46), Landesvorsitzender des ADFC Schleswig-Holstein. Viele Mängel seien seit Jahren bekannt, aber es passiere nichts. „In Kiel schon eher.“ Auch die Polizei hatte Lübeck jüngst als „Hauptstadt der Fahrradunfälle“ bezeichnet.

Unter den Städten bis 20 000 Einwohner falle insbesondere Bad Segeberg negativ auf, das landesweit auf Platz 26 und bundesweit auf Platz 185 von 186 liege. Eutin dagegen habe einen großen Sprung nach vorne gemacht und sich von Note 4,38 beim letzten Klimatest auf 3,69 verbessert.

Der Fahrradklima-Test

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) wertete für seinen „Fahrradklima-Test“ bundesweit 150 000 Radfahrer-Aussagen aus. In der Kategorie der Städte mit 200 000 bis 500 000 Einwohnern holte Karlsruhe den Spitzenplatz, gefolgt von Münster, Freiburg und Braunschweig. Gegenüber der letzten Erhebung im Jahr 2016 verschlechterte Kiel seine Note etwas, während Lübeck konstant blieb.

Bei den Städten zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern kam Norderstedt mit der Note von 3,68 auf Platz 17. Neumünster holte mit 4,13 Rang 73, während Flensburg mit 4,21 Platz 81 belegte. In diese Gruppe fielen 106 Städte.

Hamburg liegt unter den 14 großen deutschen Städten mit Note 4,21 auf Platz acht. Am besten machte sich Bremen mit Note 3,55.

Insgesamt hatte der ADFC für seinen Fahrradklima-Test 2018 in Deutschland 168 378 Interviews mit Radfahrern geführt, ganz überwiegend online.

Marcus Stöcklin

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