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Abenteuer Öko-Dienst – seit 25 Jahren

Lübeck Abenteuer Öko-Dienst – seit 25 Jahren

An vielen Stellen im Land absolvieren junge Leute ein Freiwilliges Jahr, unter anderem im Roten Hahn in Lübeck.

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Tabea Petzelberger (l.) und Sina Burmeister sehen im Geschichtserlebnisraum Roter Hahn nach den Lämmern. Auch diese Aufgabe gehört zu ihrem Freiwilligen Ökologischen Jahr.

Quelle: Fotos: Lutz Roeßler

Lübeck. Vielleicht ist es so etwas wie der Traum von einem anderen Leben. Einmal die Karriere ausblenden. Mal etwas für andere tun. Mal nicht am Schreibtisch sitzen, sondern draußen sein. In der Natur. Mit den Händen arbeiten. „Ich bau’ gerne an Ställen“, sagt Sina Burmeister (20). „Und morgen scheren wir die Schafe.“ Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) kam der Abiturientin aus Ratzeburg nach ihrem Abschluss wie gerufen. „Ich hatte keinen Bock mehr auf Schule. Ich wollte was Praktisches machen.“ Sie bewarb sich im Internet und kam zum Bauspielplatz und Geschichtserlebnisraum Roter Hahn in Lübeck-Kücknitz.

LN-Bild

An vielen Stellen im Land absolvieren junge Leute ein Freiwilliges Jahr, unter anderem im Roten Hahn in Lübeck.

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Dort ist sie mit einer anderen FÖJlerin seit vorigem August Mädchen für alles. Sie betreuen vormittags die Schulklassen, die den Geschichtserlebnisraum mit seinen mittelalterlichen Gebäuden besuchen und nachmittags die Kindergartenkinder. Sie füttern die Hühner, die Pferde, die Gänse und misten die Ställe aus. „Dafür kriegen wir 399 Euro im Monat“, sagt Sina Burmeister. Das reicht für das Nötigste. Zusammen mit zwei anderen wohnt sie in einer Wohngemeinschaft und hat bisher keinen Tag ihres freiwilligen Dienstes bereut. Ihre Mitstreiterin Tabea Petzelberger (19) aus Löhne (Westfalen) zog es ebenfalls nach der Schule an die Ostsee. „Hier haben wir mit der Familie oft Urlaub gemacht, deshalb kam ich darauf, mich hier zu bewerben.“ Auch sie wollte nach dem Abi vor allem „raus aus dem Alltagstrott“. Das Konzept des Roten Hahns gefiel ihr.

An vielen Stellen im Land sind die freiwilligen Öko-Mitarbeiter nicht mehr wegzudenken, seit das FÖJ vor 25 Jahren ins Leben gerufen wurde. Sie helfen im Nationalpark Wattenmeer, bringen Touristen die Lebensweise von Seehunden und Vögeln nahe oder hüten Schafe, wie für den Landschaftspflegeverein Dummerstorfer Ufer. Die Aufgaben sind vielfältig.

Rebecca Brembs (20) aus Würzburg absolviert ihr FÖJ im Weltladen in der Lübecker Hüxstraße. Sie macht vor allem Bildungsarbeit. „Wir haben einen Veranstaltungsraum und halten zum Beispiel Seminare für Schulklassen ab. Meist mit einer Ladenrallye, einer Verkostung und einem Vortrag zum Thema Kaffee und Schokolade. Fairer Handel spielt dabei immer eine Rolle.“ Ein abwechslungsreicher Job – und in Lübeck gefällt es Rebecca Brembs prima. „Ich war schon immer fasziniert vom Norden.“ Trotzdem zieht es sie nach ihrem Dienstjahr zurück nach Würzburg. „Ich will dort eine Ausbildung zur Optikerin machen.“

Für die Träger sind die idealistischen FÖJler weit mehr als billige Arbeitskräfte. „Beide Seiten profitieren“, sagt Susanne Füting (51), Leiterin des Museums für Natur und Umwelt in Lübeck. Dort ist ebenfalls eine Freiwillige beschäftigt, die unter anderem bei der Organisation von Veranstaltungen und Ausstellungen hilft. „Wie plant man so etwas, wie hält man eine Dienstbesprechung ab? Da können die jungen Leute erste Erfahrungen in der Berufswelt sammeln.“ Susanne Füting empfindet den Umgang mit den Freiwilligen als sehr anregend. „Das bringt frischen Wind rein und neue Ideen.“

Auch die FÖJler glauben, dass sie der Dienst weiterbringt. Tabea vom Roten Hahn will Event-Managerin werden. Da hat es ihr geholfen, den Geschichtserlebnisraum auf Festen zu präsentieren – etwa auf dem Hanse-Kultur-Festival. Und Sina will Sozialarbeit studieren. Da sei der Dienst fast wie eine Art Praktikum, meinen beide.

Das Land gibt Geld

Seit 1991 gibt es das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) in Schleswig-Holstein. Das Land fördert das Freiwilligenjahr für weitere drei Jahre mit jeweils 1,2 Millionen Euro. Seit dem Start absolvierten über 2000 junge Menschen das FÖJ. Träger sind gemeinnützige Vereine wie die Nordkirche und die Trägergemeinschaft Wattenmeer. An der Finanzierung der landesweit rund 150 FÖJ-Plätze beteiligen sich das Land, der Bund, die FÖJ-Träger sowie die Einsatzstellen.

Marcus Stöcklin

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