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Norddeutschland Abschied von G8: Bald nur noch vier Gymnasien mit „Turbo-Abi“
Nachrichten Norddeutschland Abschied von G8: Bald nur noch vier Gymnasien mit „Turbo-Abi“
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21:32 28.02.2018
2007 wurde das „Turbo-Abi“ (G8) in Schleswig-Holstein beschlossen, jetzt wird es zur Ausnahme. Quelle: Foto: Weigel/dpa
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Kiel

Drei weitere Gymnasien im Land werden das Turbo-Abi (G8) und den neunjährigen Bildungsgang nebeneinander anbieten (Y-Modell), die übrigen 95 kehren zu G9 zurück. Hintergrund ist eine politische Weichenstellung zugunsten des alten Langsam-Abis. Der Landtag stimmte in seiner Dezember-Sitzung einer Schulgesetz-Änderung zu. Die Politik trug damit dem Wunsch einer Mehrheit der Eltern Rechnung.

Kritisiert wurde von Verbänden der hohe Druck, den das Turbo-Abi ihrer Ansicht nach bei Kindern erzeuge. Für Aktivitäten am Nachmittag bleibe G8-Schülern kaum mehr Zeit.

Ungeachtet dieser Argumente ließ die Politik eine schmale Hintertür offen: Gymnasien hatten vom Land einmalig die Chance bekommen, sich bis zum 23. Februar für den Verbleib beim bisherigen G8 oder für das Y-Modell auszusprechen. Die Hürde dafür war allerdings hoch. Eine 75-prozentige Mehrheit der Schulkonferenz musste in geheimer Abstimmung beipflichten. In der Schulkonferenz sind Lehrer, Eltern und Schüler vertreten. Martin Habersaat, Bildungsexperte der SPD-Fraktion, nannte diese Abstimmungsmodalität gestern eine „alberne Farce“. „Wer für Bildung zuständig ist, sollte die Menschen nicht für dumm verkaufen.“ Fast alle Schulen hätten gleich darauf verzichtet, überhaupt abzustimmen, sagte Habersaat.

„Es war unser zentrales politisches Anliegen, G9 wieder zum Regelfall in Schleswig-Holstein zu machen“, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Es freue sie, dass das an den allermeisten Gymnasien genauso gesehen wurde. „Es ist gut, dass Eltern, die ihre Kinder derzeit an den weiterführenden Schulen anmelden, nun Gewissheit haben.“ Sie hoffe zugleich, dass damit der Schulfrieden im Land gesichert sei. Vom neunjährigen Bildungsgang profitieren sollen auch Kinder, die in diesem Sommer auf ein Gymnasium wechseln. Für sie wird der neunjährige Bildungsgang 2019/20 rückwirkend eingeführt.

Am Norderstedter Coppernicus-Gymnasium sprachen sich knapp 83 Prozent der Mitglieder in der Schulkonferenz für ein Verbleiben bei G8 aus. „Eine Rückkehr zu G9 kostet viel Kraft, die nicht den Schülern zugute kommt“, sagt Schulleiterin Heike Schlesselmann zu ihren Beweggründen. „Unser Ziel ist es, G8 besser zu machen.“ Nicht die Form, sondern die inhaltliche Arbeit sei entscheidend.

Für die Fortführung des Y-Modells haben sich das Thor-Heyerdahl-Gymnasium in Kiel, das Elsenseegymnasium in Quickborn und das Richard-von-Weizsäcker-Gymnasium in Barmstedt entschieden.

Noch bis zum 7. März sind Anmeldungen an den 99 Gymnasien und 182 Gemeinschaftsschulen (davon 43 mit Oberstufe) möglich. Auf dem Anmeldeschein können die Eltern bis zu drei Wunsch-Schulen angeben.

Die Schulen entscheiden dann über die Aufnahme, abhängig von ihren Kapazitäten. Nach Auskunft des Bildungsministeriums wird das Abmeldeverfahren Anfang April abgeschlossen sein.

Ein Trend zu G9 ist bundesweit zu verzeichnen. Niedersachsen ist zum alten Bildungsgang zurückgekehrt, Bayern folgt in diesem Sommer, Nordrhein-Westfalen vollzieht den Wechsel zeitgleich mit Schleswig-Holstein. In Hessen gibt es kaum noch G8-Schulen. Mecklenburg-Vorpommern bietet dagegen – wie alle ostdeutschen Länder – den achtjährigen Bildungsgang an. Eine politische Mehrheit in Hamburg steht ebenso fest zu G8, trotz anhaltender Diskussionen.

Von Curd Tönnemann

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